Der schwedisch-amerikanische Dirigent Herbert Blomstedt ist am 4. November mit 99 Jahren in seinem Zuhause im schwedischen Göteborg gestorben. Das teilte seine Agentur KünstlerSekretariat am Gasteig mit. Er starb demnach friedlich im Kreis seiner Familie. Damit endet eine Laufbahn von mehr als sieben Jahrzehnten mit führenden Positionen in Europa und den Vereinigten Staaten.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press leitete Blomstedt die San Francisco Symphony von 1985 bis 1995. Anschließend stand er von 1998 bis 2005 an der Spitze des Leipziger Gewandhausorchesters und blieb danach dessen Ehrendirigent. Das Orchester erklärte, sein Einfluss auf das Musikleben habe weit über seine Amtszeit hinausgereicht, und würdigte seine Bescheidenheit und seinen Respekt für die Musiker.
Seine Agentur erklärte, er habe bis zu seinem 100. Geburtstag und darüber hinaus dirigieren wollen. Zunehmende gesundheitliche Einschränkungen hätten Auftritte zuletzt jedoch verhindert und Absagen nötig gemacht. Laut AP fand sein letztes Konzert am 15. Mai mit der San Francisco Symphony in der Davies Hall statt, wo er Mahlers Neunte Sinfonie dirigierte.
Das Gewandhaus erinnerte daran, dass Blomstedt auf Kurt Masur folgte und das Repertoire unter anderem um nordische Komponisten erweiterte. Auch die Musikvermittlung gehörte zu seiner Arbeit: Er initiierte Familienkonzerte und gründete die Mendelssohn-Festtage. Neben seiner Arbeit an Klang und Aufführungstraditionen stärkte er nach Angaben des Orchesters dessen internationale Ausstrahlung.
Auch das Königliche Concertgebouworchester Amsterdam würdigte ihn. Nach dessen Angaben leitete er zwischen 1983 und 2023 fast 80 Konzerte des Ensembles, darunter eine ausgedehnte USA-Tournee 2004. Das Orchester erinnerte an seine Hingabe zur Musik und seine herzliche Persönlichkeit. Seine Agentur betonte ebenfalls seine Partiturkenntnis, Disziplin und seinen Einsatz für die Absichten der Komponisten.
Das Gewandhausorchester kündigte an, seine Konzerte unter Andris Nelsons am 5., 6. und 8. November Blomstedts Andenken zu widmen. Ab dem 6. November liegt im Hauptfoyer ein Kondolenzbuch aus. So erhält das Publikum Gelegenheit, einen Musiker zu würdigen, dessen Verbindung zum Orchester weit über seine Jahre als Chef hinaus Bestand hatte.
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