Ein Forscherteam unter der Leitung der Curtin University hat den schwer fassbaren Riesenkalmar Architeuthis dux mittels Umwelt-DNA in Tiefseeschluchten vor der Küste Westaustraliens nachgewiesen. Dies ist der erste bestätigte Nachweis der Art in der Region und der nördlichste Fundort des Tieres im gesamten östlichen Indischen Ozean. Die im Fachjournal Environmental DNA veröffentlichte Studie analysierte 178 Wasserproben, die in fünf verschiedenen Tiefen bis zu 4.540 Metern in den Unterwasserschluchten Cape Range und Cloates nahe der abgelegenen Ningaloo-Küste entnommen sind, etwa 1.200 Kilometer nördlich von Perth.
Der Riesenkalmar, eines der geheimnisvollsten Geschöpfe des Ozeans, ließ sich durch Spuren genetischen Materials identifizieren, das er in das umgebende Wasser abgibt. Hinweise auf Architeuthis dux zeigten sich in sechs separaten Proben aus beiden Unterwasserschluchten, was darauf hindeutet, dass die Art in den tiefen australischen Gewässern weiter verbreitet sein dürfte als bisher angenommen. Die eDNA-Technik ermöglicht es Wissenschaftlern, die Anwesenheit von Organismen nachzuweisen, ohne sie physisch beobachten oder fangen zu müssen.
Über die Hauptentdeckung hinaus offenbarte die Untersuchung eine erstaunliche Bandbreite mariner Artenvielfalt. Die Forscher identifizierten 226 Arten aus 126 taxonomischen Familien, darunter 83 Nachweise, die entweder neue Artidentifikationen oder bedeutende Verbreitungserweiterungen für bekannte Organismen darstellen. Die Forschung fand an Bord des Schiffes R/V Falkor des Schmidt Ocean Institute statt, wobei das Team während der Expedition mehr als 1.000 Wasserproben sammelte.
Die Ningaloo-Küste ist bereits als UNESCO-Welterbestätte für ihr flaches Korallenriffsystem anerkannt, doch die tiefen Meeresschluchten direkt vor der Küste blieben bis zu dieser Studie weitgehend unerforscht. Die Schluchtenwände fallen Tausende von Metern unter die Oberfläche ab und schaffen vertikale Lebensräume, in denen kaltes, nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe aufsteigt und komplexe Nahrungsnetze unterstützt. Der Nachweis eines Spitzenprädators wie des Riesenkalmars in diesen Tiefen unterstreicht die ökologische Bedeutung dieser Unterwasserformationen.
Die Forscher betonten, dass die Ergebnisse den dringenden Bedarf unterstreichen, Tiefsee-Lebensräume zu schützen, die noch schlecht verstanden und zunehmend durch Aktivitäten wie Tiefseebergbau, Grundschleppnetzfischerei und klimabedingte Veränderungen der Meerestemperatur und -chemie bedroht sind.
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