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Verborgene Kanäle unter antarktischem Eis beschleunigen den Meeresspiegel-Anstieg

Veröffentlicht am 11. Mai 2026 657 Aufrufe

Eine wegweisende Studie, am 9. Mai über ScienceDaily veröffentlicht, zeigt, dass verborgene Kanäle an der Unterseite antarktischer Eisschelfe wärmeres Meerwasser einfangen und die Schmelzrate des Eises von unten erheblich steigern. Die Forschung konzentriert sich auf das Fimbulisen-Eisschelf in der Ostantarktis und belegt, dass die Form der Eisunterseite die Zirkulation des Meerwassers darunter entscheidend beeinflusst.

Innerhalb dieser subglazialen Kanäle steigen die Schmelzraten im Vergleich zu den umliegenden Bereichen um etwa eine Größenordnung. Die Kanäle wirken wie Trichter: Sie ziehen verhältnismäßig wärmeres atlantisches Wasser an und halten es in längerem Kontakt mit der Eisbasis. Diese anhaltende Einwirkung verstärkt das basale Schmelzen auf eine Weise, die bestehende Klimamodelle bislang nicht erfassen.

Besonders beunruhigend ist der Befund zur Ostantarktis. Diese Region galt lange als stabil und weniger gefährdet als ihr westliches Gegenstück — doch nun zeigt sich, dass auch dort erhebliche Eismassenverluste drohen. Sollten diese verborgenen Schmelzprozesse großflächig auftreten, dürften die Folgen für den globalen Meeresspiegel deutlich gravierender und früher eintreten als bisher angenommen.

Die Studie deckt eine kritische Lücke in den aktuellen Klimaprojektionen auf. Die meisten globalen Modelle berücksichtigen weder die komplexe Geometrie der Eisunterseiten noch den Kanalisierungseffekt auf die ozeanische Zirkulation darunter. Eine Korrektur dieser Auslassung dürfte die erwarteten Beiträge des antarktischen Eises zum künftigen Meeresspiegel-Anstieg erheblich nach oben korrigieren.

Ebenfalls aus der Polarforschung: Wissenschaftler des Imperial College London erzielten einen Rekord beim Tiefbohren in antarktisches Eis. Ihr Vorhaben zielt darauf ab, Klimadaten aus Hunderttausenden von Jahren zu gewinnen — eine vertiefte Zeitachse vergangener Temperaturen und atmosphärischer Bedingungen, die künftige Projektionen besser stützen soll.

Jenseits der Antarktis brachte die Woche auch erfreuliche Nachrichten aus den Biowissenschaften. Forschende identifizierten gemeinsame Gene in Axolotln, Zebrafischen und Mäusen, die bei der Gliedmaßen-Regeneration aktiv sind. Diese genetischen Pfade könnten künftig Therapien leiten, die Menschen bei der Geweberegeneration unterstützen — ein Bereich, der lange als reine Fiktion galt.

Zusätzlich zeigte eine separate Studie, dass Darmflora-Transplantationen von jungen Tieren altersbedingten Leberschäden bei älteren Individuen deutlich entgegenwirken können. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das intestinale Mikrobiom eine aktivere Rolle beim systemischen Altern spielt als bislang erkannt — und eröffnen neue Wege für die Langlebigkeitsforschung.

Quellen: ScienceDaily, Nature, Imperial College London, NPR

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