Israel hat Ärzte ohne Grenzen (MSF) und 36 weitere humanitäre Hilfsorganisationen verboten, ab dem 1. Januar in Gaza und dem besetzten Westjordanland zu operieren. Das Verbot hindert MSF daran, Hilfsgüter oder internationales Personal in die palästinensischen Gebiete zu bringen, was die Organisation zwingt, sich vollständig auf ihre lokalen Mitarbeiter zu verlassen, um weiterhin medizinische Versorgung zu leisten.
Das israelische Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten begründete die Entscheidung damit, dass einige MSF-Mitarbeiter mit der Hamas oder dem Palästinensischen Islamischen Dschihad verbunden seien. Konkret beschuldigte Israel die Organisation, zwei Personen beschäftigt zu haben, die angeblich Mitglieder dieser militanten Gruppen waren. MSF wies diese Anschuldigungen kategorisch zurück und erklärte, dass die Organisation niemals wissentlich Personen beschäftigen würde, die an militärischen Aktivitäten beteiligt sind.
Die humanitären Auswirkungen des Verbots werden voraussichtlich verheerend sein. MSF hat berichtet, dass sie etwa 20 Prozent der Krankenhausbetten in Gaza unterstützt und bei einem Drittel aller Geburten im Gebiet assistiert. Allein im Jahr 2025 behandelte die Organisation rund eine Million Patienten, was der Hälfte der gesamten Bevölkerung von Gaza entspricht. Der Verlust der MSF-Operationen wird eine massive Lücke in der Gesundheitsversorgung schaffen.
Seit Oktober 2023 wurden 15 MSF-Kollegen von israelischen Streitkräften getötet, was die Bedenken der Organisation hinsichtlich der Weitergabe persönlicher Informationen ihrer palästinensischen Mitarbeiter an die israelischen Behörden verstärkt hat. MSF äußerte berechtigte Sorgen, dass die Registrierungsanforderung ihre lokalen Mitarbeiter gefährden könnte. Die Organisation ist seit Jahrzehnten in den palästinensischen Gebieten tätig.
Die Vereinten Nationen und humanitäre Organisationen aus zehn Ländern, darunter Großbritannien, Frankreich und Kanada, haben das Verbot scharf verurteilt und Israel aufgefordert, seine Entscheidung rückgängig zu machen. Internationale Beamte warnen, dass die Maßnahme die bereits katastrophale humanitäre Krise in Gaza verschärfen wird, wo das Gesundheitssystem durch die laufenden Militäroperationen dezimiert wurde.
Weitere prominente vom Verbot betroffene Organisationen sind World Vision International, der Norwegische Flüchtlingsrat und Oxfam. Israel behauptet, dass die neuen Vorschriften verhindern sollen, dass die Hamas humanitäre Organisationen infiltriert. Kritiker argumentieren jedoch, dass das Verbot effektiv die Zivilbevölkerung von Gaza bestraft, indem es die lebenswichtige Hilfe unterbricht.
Hilfsgruppen, die ihre Registrierung verloren haben, müssen alle Operationen bis zum 1. März einstellen. Die Frist hat Dringlichkeit unter den humanitären Helfern geschaffen, die darum kämpfen, Verantwortlichkeiten zu übertragen und lokales Personal auszubilden, bevor sie gezwungen sind zu gehen. Medizinische Einrichtungen in ganz Gaza bereiten sich auf schwere Engpässe vor, da die internationale Unterstützung zurückgezogen wird.
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