Zurück zur Startseite Neandertalerreste im Irak deuten auf tödlichen Speerstoß und frühere Fürsorge hin Wissenschaft

Neandertalerreste im Irak deuten auf tödlichen Speerstoß und frühere Fürsorge hin

Veröffentlicht am 16. Oktober 2026 0 Aufrufe

Ein 75.000 Jahre altes Neandertalerskelett aus der Shanidar-Höhle im irakischen Kurdistan zeigt eine möglicherweise tödliche Holzspeerverletzung und Hinweise auf eine frühere Gesichtsverletzung, die mit Fürsorge überlebt worden sein dürfte. Das berichteten Forschende aus Cambridge am 15. Oktober. Ihre Studie in Scientific Reports eröffnet einen seltenen Einblick in Gewalt und Unterstützung unter diesen frühen Verwandten des Menschen.

Das Individuum namens Shanidar A war beim Tod etwa 45 Jahre alt; das Geschlecht bleibt unbekannt. Die Überreste lagen unter rund 7,5 Metern Gestein und Sediment. Ein kreisförmiges, 15 Millimeter großes Loch im linken Schulterblatt steht im Mittelpunkt der Rekonstruktion des Todes durch das Team.

Die Forschenden deuten die Lochform, abgeschrägte Ränder und verlagerte Knochenstücke als Hinweise auf eine Waffe, die den Brustkorb von vorn durchdrang. Ein zugespitzter Holzspeer passe besser zur runden Öffnung als eine Steinspitze. Die angenommene Bahn hätte eine Lunge und möglicherweise große Arterien verletzt und die Verletzung damit potenziell tödlich gemacht.

Hauptautorin Emma Pomeroy hält einen Jagdunfall weiterhin für möglich, obwohl die Lage der Wunde und die erforderliche Kraft auf absichtliche Gewalt hindeuten. Die Umstände und die Identität eines möglichen Angreifers lassen sich nicht bestimmen. Die Waffe selbst ist nicht erhalten: Der Knochen liefert indirekte Hinweise, keinen Beleg für einen tatsächlich geborgenen Holzspeer.

Ein längs gespaltener unterer Schneidezahn erzählt eine andere Geschichte. Zahnstein auf dem beschädigten Zahn zeigt, dass das Individuum das frühere Trauma eine gewisse Zeit überlebte. Laut Cambridge schätzt Pomeroy diese Zeit auf mindestens ein Jahr und vermutet Hilfe von Gefährten, möglicherweise durch weiche Nahrung. Diese Fürsorge ist eine Interpretation der Verletzungen und nicht unmittelbar erhalten.

Die Studie erhöht zudem die Mindestzahl der Individuen in dieser kleinen Bestattungsgruppe auf fünf. Ihre wiederholte Ablage auf demselben engen Raum stützt die Deutung der Autoren, dass die Toten bewusst behandelt wurden. Die Ergebnisse ergänzen die Debatte über das Sozialverhalten der Neandertaler, während die genauen Umstände dieses Todes ungeklärt bleiben.

Quellen: Scientific Reports: https://www.nature.com/articles/s41598-026-69193-z; University of Cambridge: https://www.cam.ac.uk/stories/neanderthal-spear-wound-shanidar-cave; Reuters: https://d2233.cms.socastsrm.com/2026/10/15/bones-from-iraqi-cave-hint-at-violence-and-compassion-in-neanderthals/

Kommentare