Die Weltgesundheitsorganisation warnte am Dienstag, dem 29. September, dass neue Kämpfe das Gesundheitssystem im Jemen an die Belastungsgrenze bringen. Krankenhäuser versorgen immer mehr Opfer, während Flucht und überfüllte Unterkünfte das Risiko für Infektionskrankheiten erhöhen. Dies erklärte die WHO bei einer Pressekonferenz der Vereinten Nationen in Genf.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Aden, auf die sich die WHO stützt, forderte die Eskalation seit dem 6. August 4.481 Opfer, darunter 838 Tote. Neun Gesundheitseinrichtungen oder zugehörige Anlagen erlitten Schäden, mussten schließen oder gerieten unter Beschuss. Zwei Krankenhäuser setzten die geburtshilfliche und neonatale Notversorgung aus, weil Personal und Kapazitäten für die Behandlung Verwundeter nötig waren.
Die Warnung trifft ein Land, dessen medizinische Versorgung jahrelange Konflikte bereits geschwächt haben. Laut WHO arbeiteten vor der jüngsten Eskalation nur rund 60 Prozent der Gesundheitseinrichtungen vollständig. Vertriebene Familien benötigen Versorgung für Mütter und Kinder, Ernährungshilfe, Impfungen und psychologische Betreuung. Arzneimittelmangel und eingeschränkter Zugang erschweren diese Leistungen zusätzlich.
Auch die Überwachung von Krankheiten gibt Anlass zur Sorge. Die WHO meldete für dieses Jahr mehr als 22.000 Masernverdachtsfälle und 128 damit verbundene Todesfälle, dazu 7.784 Cholera-Verdachtsfälle mit 22 Todesfällen sowie 9.604 Denguefälle mit 37 Todesfällen. Enge Unterkünfte und mangelnder Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen könnten die Ausbreitung von Cholera beschleunigen. Die WHO erklärte nicht, dass der laufende Ausbruch erst mit den jüngsten Kämpfen begann.
Seit dem 10. September gelangten laut WHO mehr als 3.600 Menschen aus dem Jemen nach Dschibuti; fast die Hälfte sind Kinder. Die Organisation lieferte 59,3 Tonnen medizinischer Güter an 40 Einrichtungen und Büros in zehn Gouvernements und setzte mehr als 20 mobile medizinische Teams ein. In ihrem Lager in Aden fehlen inzwischen jedoch wichtige Güter, darunter Material für die Traumaversorgung und notwendige Arzneimittel.
Für ihren Nothilfeeinsatz erhielt die WHO nach eigenen Angaben bisher nur zwei Millionen der benötigten neun Millionen US-Dollar. Sie und ihre Partner werben um weitere Mittel, um Behandlungen aufrechtzuerhalten, die reguläre Versorgung wieder zugänglich zu machen sowie Überwachung, Impfungen und Wasserversorgung zu stärken. Die UN-Migrationsorganisation nannte wegen anderer Quellen und Berichtszeiträume eine niedrigere Zahl Vertriebener als die WHO.
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