Der schottische Drehbuchautor Paul Laverty, Mitglied der offiziellen Jury der 79. Filmfestspiele von Cannes, nutzte die Eröffnungspressekonferenz für eine scharfe Kritik am anhaltenden Krieg in Gaza und an dem, was er als Ausgrenzung von Künstlern bezeichnete, die sich dagegen ausgesprochen haben. Seine Äußerungen fügten einem Festival, das bereits für seine international vielfältigste Wettbewerbsauswahl seit Jahren auffällt, eine politisch aufgeladene Dimension hinzu. Europäische und asiatische Filmemacher dominieren die Auswahl gegenüber amerikanischen Studios.
Laverty, langjähriger Mitarbeiter von Regisseur Ken Loach und zweifacher Preisträger in Cannes, erklärte den versammelten Journalisten, die Filmindustrie trage die Verantwortung, unbequeme Wahrheiten zu konfrontieren, anstatt sich in Schweigen zurückzuziehen. Er sprach gezielt die beruflichen Konsequenzen an, denen Künstler ausgesetzt seien, die öffentlich Stellung zum Konflikt bezogen hätten, und argumentierte, solcher Druck komme einer Form von Zensur gleich, die die kreative Freiheit untergrabe, die Festivals wie Cannes feiern sollen.
Die amerikanische Schauspielerin Hannah Einbinder, Star der gefeierten Serie Hacks, schloss sich seinen Kommentaren an. Auch sie sprach in Cannes über Palästina und äußerte die Sorge, dass Schauspieler wegen ihrer politischen Ansichten berufliche Nachteile erleiden. Die Aussagen spiegeln eine breitere Spannung in der globalen Unterhaltungsindustrie wider, wie offen sich öffentliche Persönlichkeiten zu geopolitischen Konflikten äußern dürfen.
Die politischen Kommentare fallen in eine Zeit, in der die 79. Filmfestspiele von Cannes vom 12. bis 23. Mai ein Wettbewerbsprogramm zeigen, das stark zum internationalen Kino tendiert. Park Chan-wook ist Jury-Präsident, die Jury umfasst Demi Moore und Regisseurin Chloe Zhao. Von den 22 Filmen im Wettbewerb um die Palme d'Or stammen nur zwei von amerikanischen Filmemachern: Ira Sachs und James Gray. Pedro Almodóvar, Nicolas Winding Refn und Ryusuke Hamaguchi gehören zu den prominenten Namen im Wettbewerb.
Festivalbeobachter merken an, dass Cannes historisch neben seiner Rolle als weltweit führender Filmmarkt stets auch als Plattform für politischen Ausdruck diente. Die Kombination aus Lavertys offener Kritik und den Programmierungsentscheidungen des Festivals deutet darauf hin, dass diese Ausgabe ebenso für ihre politischen Stellungnahmen wie für ihre künstlerischen Auswahlen in Erinnerung bleiben dürfte.
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