Chinesische Behörden ermitteln gegen den bekannten Komiker Guo Degang, nachdem er bei einem Auftritt im Juli in Wuhan eine Zeile aus einem Revolutionslied improvisiert und verändert hatte. Zugleich sagten oder verschoben Veranstalter mehrere für August geplante Vorstellungen. Die Associated Press berichtete am Samstag unter Berufung auf lokale Medien, Videos in sozialen Netzwerken sowie Mitteilungen von Organisatoren und der Ticketplattform Damai über die Untersuchung.
Guo zählt zu den führenden Künstlern des Xiangsheng, einer traditionellen Form des komischen Dialogs, die auch als chinesischer Crosstalk bekannt ist. Viele Beobachter schreiben ihm zu, diese Kunst einem jüngeren Publikum nähergebracht zu haben. Channel News Asia berichtete, der umstrittene Auftritt habe am 24. Juli während einer Pekingoper-Bearbeitung über die Volksfigur Ji Gong in Wuhan stattgefunden, einer Großstadt in Zentralchina.
AP und lokale Berichte schilderten, Guo habe eine Zeile über die stille Nacht am Weishan-See durch einen Hinweis auf die Stille in der Verbotenen Stadt ersetzt. Die Passage stammt aus Playing My Beloved Pipa, einem Lied aus dem Film Railway Guerrilla aus den 1950er-Jahren über kommunistisch geführte Kämpfer gegen japanische Truppen im Zweiten Weltkrieg. Das populäre Stück erklang 1998 bei der Frühlingsfest-Gala des chinesischen Zentralfernsehens und gehörte 2019 zu einer offiziellen Auswahl von 100 Liedern zum 70. Jahrestag der Volksrepublik.
Lokale Medien meldeten, bei der Kultur- und Tourismusbehörde in Wuhan sei eine Beschwerde eingegangen; der zuvor genehmigte Text der Aufführung habe die veränderte Formulierung nicht enthalten. The Paper erklärte, die Abweichung könne gegen Vorschriften für kommerzielle Aufführungen verstoßen. Laut AP reagierten weder Guo noch sein Veranstalter umgehend auf Anfragen. Eine abschließende Entscheidung oder Sanktion gaben die Behörden bislang nicht öffentlich bekannt.
Guos für Freitag angesetzte Show in Xi'an fiel wegen sogenannter Probleme mit dem Veranstaltungsort aus, wie sein Promoter auf Damai mitteilte. Das Unternehmen bot Erstattungen für Eintrittskarten sowie Reise- und Hotelkosten an. Das Ausstellungszentrum sprach von einer Verschiebung, nannte aber keinen Ersatztermin. Lokale Medien berichteten außerdem über weitere gestrichene August-Termine, doch die Organisatoren stellten keinen öffentlichen Zusammenhang zwischen jeder einzelnen Planänderung und den Ermittlungen in Wuhan her.
Der Fall lenkt erneut den Blick auf die Grenzen für Künstler in Chinas streng regulierter Unterhaltungsbranche. Im Jahr 2023 verhängten Behörden gegen Xiaoguo Culture Media eine Geldbuße von 14,7 Millionen Yuan, damals rund 2,13 Millionen Dollar, nachdem der Komiker Li Haoshi einen Militärspruch in einem Witz über Hunde auf Eichhörnchenjagd benutzt hatte. Die Untersuchung gegen Guo bleibt offen; damit sind seine künftigen Auftritte und mögliche behördliche Schritte weiterhin ungeklärt.
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