Eine am Donnerstag in Science veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass die menschengemachte Erwärmung El Niño verstärkt, jenes periodische Pazifikmuster, das Wetter weltweit verändert. Forschende schätzen, dass die Ereignisse heute mehr als 36 Prozent stärker ausfallen als vor der Industrialisierung; allein in den vergangenen 40 Jahren betrug der Anstieg 16 Prozent, berichtet Associated Press. Das Ergebnis erscheint, während sich ein kräftiger El Niño entwickelt, der den modernen Rekord erreichen könnte.
El Niño entsteht, wenn sich Teile des äquatorialen Pazifiks ungewöhnlich erwärmen, dadurch die atmosphärische Zirkulation verändern und globale Temperaturen erhöhen. Starke Ereignisse können Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen verschärfen, Fischerei und Korallenriffe schädigen, Ernährungsunsicherheit steigern und enorme wirtschaftliche Verluste verursachen. Direkte Messreihen reichen nur rund 75 Jahre zurück, weshalb sich ein langfristiger Trend schwer von großen natürlichen Schwankungen trennen lässt.
Die Paläoklimatologin Julia Cole von der University of Michigan und ihr Team erweiterten die Chronik anhand von 29 fossilen Korallen von den Galápagosinseln. Vierzehn Proben stammten aus vorindustrieller Zeit, 14 aus der Moderne und eine aus der Übergangsphase; die älteste entstand um das Jahr 1100. Verhältnisse von Kalzium zu Strontium sowie Sauerstoffisotope lieferten zwei unabhängige Schätzungen früherer Meerwasserbedingungen, Uran-Thorium-Messungen datierten die Skelette.
Cole erklärte AP, die rekonstruierte Veränderung verlaufe eng parallel zum globalen Temperaturanstieg, den vor allem fossile Emissionen antreiben. Die Studie sieht die Gefahr, dass kräftigere El-Niño- und La-Niña-Zyklen Tempo und Schwere klimatischer Extreme erhöhen. Der Tracker der Columbia University meldete zuletzt eine wöchentliche Anomalie von 2,7 Grad Celsius, deutlich über der Zwei-Grad-Schwelle für ein sehr starkes Ereignis; weitere Zunahmen in den kommenden zwei bis vier Monaten gelten als möglich.
Externe Fachleute bewerten die Befunde unterschiedlich. Die Korallenforscherin Kim Cobb von der Brown University bezeichnete Korallen als führendes Archiv und sieht in den paläoklimatischen Daten Hinweise auf eine Verstärkung durch Erwärmung. Michael Mann von der University of Pennsylvania und John Bruno von der University of North Carolina halten dagegen, jüngere Galápagos-Messungen zeigten sinkende Schwankungen; das Korallensignal könne eher die allgemeine Treibhauserwärmung als eine Veränderung von El Niño abbilden.
Die Autoren räumen Lücken in der 900-jährigen Rekonstruktion sowie große Unterschiede zwischen einzelnen Ereignissen ein. Cole argumentiert, wenige außergewöhnliche El Niños könnten kurze Vergleiche verzerren, während die lange Korallenperspektive den Trend sichtbar mache. Nun sollen direkte Messdaten und weitere pazifische Klimaarchive den Befund prüfen. Das aktuelle Ereignis bietet zugleich einen unmittelbaren Test für Prognosen und für die weiterreichenden Folgerungen der Studie.
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