Eine vollständige Umsetzung der Tabakkontrollmaßnahmen der Weltgesundheitsorganisation könnte zwischen 2025 und 2050 rund 3,5 Millionen Krebsfälle in Ost- und Südostasien verhindern. Das geht aus einer Modellstudie hervor, auf die die Internationale Agentur für Krebsforschung am Montag aufmerksam machte. Die Analyse erfasste 15 Länder und prüfte, wie strengere Regeln Rauchquoten und die künftige Krebsbelastung verändern können.
Die Forschenden schätzen für den Zeitraum von 25 Jahren rund 159 Millionen Fälle tabakbedingter Krebsarten in der Region. Bleiben Rauchverhalten und bestehende Kontrollen unverändert, entfallen etwa 44,2 Millionen dieser Erkrankungen unmittelbar auf das Tabakrauchen. Das Team modellierte die maximale Anwendung der Maßnahmen aus dem Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs.
Nach einer Anpassung an Veränderungen im Index der menschlichen Entwicklung sank der berechnete Nutzen von 3,5 Millionen auf 2,2 Millionen verhinderte Fälle. Die Krebsagentur erläuterte, dass die sozioökonomische Entwicklung Rauchverhalten und Krebsraten auch unabhängig beeinflusst. Die angepasste Zahl bietet deshalb eine vorsichtigere Schätzung des politischen Effekts und beschreibt keine bereits beobachteten Erfolge.
Zwischen Ländern und Tumorarten zeigten sich deutliche Unterschiede. China stellte die größte absolute Zahl potenziell vermeidbarer Erkrankungen, gefolgt von Japan und Indonesien. Den größten projizierten Gewinn brachte Lungenkrebs: Mehr als 1,1 Millionen der 2,2 Millionen vermiedenen Fälle im angepassten Szenario entfielen auf diese Krebsart.
Die Untersuchung analysiert erstmals für alle 15 Länder, wie eine maximale Umsetzung des WHO-Vertrags zugleich die Rauchprävalenz und die spätere Krebsinzidenz beeinflussen kann. Zum Maßnahmenpaket gehören höhere Tabaksteuern, rauchfreie Räume, Gesundheitswarnungen, Werbebeschränkungen und Unterstützung beim Aufhören. Die Ergebnisse sind Modellprojektionen und kein Nachweis, dass bereits 3,5 Millionen Erkrankungen verhindert sind.
Die begutachtete Studie erschien am 20. August online in The Lancet Regional Health – Western Pacific; die IARC stellte die Ergebnisse am 7. September heraus. Nach Einschätzung der Agentur trägt Ost- und Südostasien einen erheblichen Anteil der weltweiten Belastung durch tabakbedingten Krebs. Eine konsequentere Anwendung bewährter Kontrollen kann demnach in den kommenden 25 Jahren einen wichtigen Beitrag zur globalen Krebsprävention leisten.
Kommentare