Die Anleihemärkte schwankten am Donnerstag, dem 1. Oktober, stark. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte zeitweise rund 5,34 Prozent und damit den höchsten Stand seit 2002. Reuters und Associated Press berichteten, dass der Anstieg Sorgen über höhere Finanzierungskosten in großen Volkswirtschaften auslöste und besonders die europäischen Aktienmärkte belastete. Später sank die US-Rendite wieder, und die Kurse an der Wall Street erholten sich bis zum Handelsschluss.
Der Ausschlag folgte auf einen kräftigen Renditeanstieg von Juli bis September. Laut Reuters stieg die Rendite zehnjähriger US-Papiere in diesem Zeitraum um fast 0,9 Prozentpunkte; das war ihr stärkster Quartalsanstieg in diesem Jahrhundert. Wenn Anleihekurse fallen, steigen ihre Renditen. Die zehnjährige Laufzeit gilt weltweit als wichtige Bezugsgröße für Kredite und andere Anlagen.
Der Verkaufsdruck erfasste auch andere Länder. Reuters zufolge erreichten die Renditen zehnjähriger französischer Staatsanleihen den höchsten Stand seit 2002. Die britischen Finanzierungskosten für 30 Jahre berührten erstmals seit 1998 die Marke von 6 Prozent. Nach Angaben der AP fielen die Aktienindizes in London um 1,7 Prozent, in Paris um 1,6 Prozent und in Frankfurt um 1 Prozent. Auch französische Anleiherenditen schwankten im Tagesverlauf erheblich.
Anleger prüften die Risiken einer anhaltenden Inflation, höherer Energiepreise und umfangreicher staatlicher Kreditaufnahme. Ein am Donnerstag veröffentlichter Bericht des Institute for Supply Management zeigte für September ein Wachstum der US-Industrie. Sein Preisindex stieg zugleich von 71,1 im August auf 77,9. Nach Angaben der AP verteuerte sich Rohöl der Sorte Brent um 4,4 Prozent auf 102,31 Dollar je Barrel. Diese Daten verstärkten die Unsicherheit über die weitere Dauer hoher Zinsen.
US-Aktien schlossen nach dem Rückgang der Renditen im Plus. Laut AP lag die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen am Ende bei etwa 5,23 Prozent, nach 5,29 Prozent am Mittwochabend. Der S&P 500 gewann 0,2 Prozent. Technologiewerte glichen einen Teil des Drucks durch höhere Zinsen aus. Der Handelstag zeigte unterschiedliche Folgen des Anleiheverkaufs für Aktien, während Europas Börsen deutliche Verluste verzeichneten.
Höhere Staatsanleiherenditen können Kredite für Haushalte und Unternehmen sowie die Finanzierung öffentlicher Haushalte verteuern. Freddie Mac meldete am Donnerstag für 30-jährige US-Hypotheken einen durchschnittlichen Zinssatz von 7,28 Prozent, nach 7,03 Prozent in der Vorwoche; neben Staatsanleiherenditen wirken jedoch weitere Faktoren auf Hypothekenzinsen. Der für Freitag erwartete US-Arbeitsmarktbericht könnte neue Hinweise auf Wachstum und Zinsaussichten liefern.
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