Die globalen Finanzmärkte gerieten am Sonntag in schwere Turbulenzen, als die Ölpreise um mehr als 27 Prozent stiegen und damit den größten Tagesanstieg seit 1988 verzeichneten. Auslöser ist die effektive Schließung der Straße von Hormus durch den Iran sowie Angriffe auf Energieanlagen in Katar und Saudi-Arabien. Das West Texas Intermediate stieg um 27,6 Prozent auf 116,03 Dollar pro Barrel, während Brent-Rohöl um 26,1 Prozent auf 116,08 Dollar zulegte und die Futures kurzzeitig fast 120 Dollar pro Barrel erreichten. Die Krise hat etwa 20 Prozent der weltweiten Ölproduktion und 20 Prozent der Flüssigerdgaslieferungen gestört und Schockwellen durch alle großen Finanzmärkte geschickt.
Die asiatischen Märkte trugen die Hauptlast des anfänglichen Ausverkaufs. Der japanische Nikkei 225 brach um 7,05 Prozent ein und fiel zum ersten Mal seit Januar unter 52.000 Punkte. Der südkoreanische KOSPI stürzte um 8,58 Prozent ab und löste zum zweiten Mal in nur vier Handelssitzungen Schutzschalter aus. Technologieaktien erlitten besonders schwere Verluste: SoftBank fiel um 11 Prozent, Samsung brach um 10 Prozent ein und SK Hynix verlor 12,3 Prozent, während Investoren aus riskanten Anlagen flüchteten. Die US-Aktien-Futures deuteten auf weitere Verluste zur Eröffnung der Wall Street hin, wobei die Dow-Futures um 1,3 Prozent fielen, die S&P-500-Futures um 1,6 Prozent nachgaben und die Nasdaq-100-Futures um 2 Prozent einbrachen.
Die Energiekrise trifft die amerikanischen Verbraucher bereits direkt. Die Benzinpreise stiegen auf 3,41 Dollar pro Gallone, ein Anstieg von 0,43 Dollar in nur einer Woche. Analysten erwarten allgemein, dass die Preise in den kommenden Wochen 4 Dollar pro Gallone übersteigen, falls die Straße von Hormus weiterhin blockiert bleibt. Energieminister Wright erklärte, die Preise fallen erst dann, wenn die Vereinigten Staaten die Fähigkeit des Iran zerstören, Tanker in der kritischen Wasserstraße anzugreifen, durch die täglich etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung fließt.
Zusätzlich zur Marktangst offenbarte der am Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht für Februar einen Verlust von 92.000 Arbeitsplätzen, weit schlechter als der erwartete Zuwachs von 50.000, während die Arbeitslosenquote auf 4,4 Prozent kletterte. Goldman Sachs sprach eine deutliche Warnung vor Stagflation aus, jener toxischen Kombination aus hoher Inflation und steigender Arbeitslosigkeit, die historisch zu den am schwierigsten zu bewältigenden wirtschaftlichen Bedingungen zählt. Die Investmentbank prognostizierte, dass die Inflation bis Jahresende von 2,4 Prozent auf 3 Prozent steigen dürfte, angetrieben vor allem durch die explodierenden Energiekosten.
In einer besonders alarmierenden Einschätzung legten die Analysten von Goldman Sachs nahe, dass die Arbeitsplatzverluste den ersten eindeutigen Beweis dafür darstellen, dass die Phase der Arbeitskräfteersetzung durch die KI-Revolution ernsthaft begonnen hat. Diese Beobachtung hat die Befürchtungen verstärkt, dass die Wirtschaft einer doppelten Bedrohung durch geopolitische Störungen und strukturelle technologische Verdrängung gegenübersteht, was eine Erholung potenziell wesentlich komplexer gestaltet als bei früheren Energiekrisen.
Die Gruppe der Sieben Nationen hat eine Notfallsitzung für 8:30 Uhr Ostküstenzeit angekündigt, um eine koordinierte Freigabe von 300 bis 400 Millionen Barrel aus den strategischen Ölreserven zu besprechen, was 25 bis 30 Prozent der gesamten Reserven der Mitgliedsstaaten entspricht. Das beispiellose Ausmaß der vorgeschlagenen Freigabe unterstreicht die Schwere der Versorgungsstörung und die Dringlichkeit, mit der die Staats- und Regierungschefs die Krise behandeln.
Marktstrategen warnten, dass die Kombination aus steigenden Energiepreisen, sich verschlechternden Arbeitsmarktdaten und geopolitischer Instabilität die großen Volkswirtschaften in eine Rezession treiben dürfte. Die Geschwindigkeit und das Ausmaß des Ölpreisanstiegs erinnern an das Ölembargo von 1973 und den Preisschock des Golfkriegs von 1990, die beide längere Phasen wirtschaftlicher Schwierigkeiten auslösten. Investoren beobachten nun genau, ob die Reservefreigabe der G7 und mögliche militärische Maßnahmen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus die Märkte stabilisieren, bevor sich die Krise weiter verschärft.
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