Das Tempo der globalen Erwärmung hat sich seit 2015 nahezu verdoppelt, wie eine wegweisende Studie belegt, die am 6. März 2026 in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters der American Geophysical Union veröffentlicht worden ist. Die federführenden Forscher Grant Foster, ein pensionierter Statistiker, der zuvor für Tempo Analytics tätig war, und Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in Deutschland stellten fest, dass die Erwärmungsrate von etwa 0,2 Grad Celsius pro Jahrzehnt zwischen 1970 und 2015 auf rund 0,35 Grad Celsius pro Jahrzehnt im Zeitraum 2015 bis 2025 gestiegen ist. Dies entspricht einem Anstieg von 75 Prozent bei einer statistischen Sicherheit von über 98 Prozent über alle analysierten Datensätze hinweg.
Die Studie stützt sich auf fünf unabhängige globale Temperaturdatensätze, darunter NASA GISS, NOAA, das HadCRUT5 des Met Office Hadley Centre, Berkeley Earth und den Copernicus-ERA5-Reanalysedatensatz. Die Forscher setzten statistische Filtertechniken ein, um kurzfristige Einflüsse wie El-Niño-Ereignisse, Vulkanausbrüche und Sonnenvariationen herauszurechnen. Zwei unabhängige Analysemethoden bestätigten die Beschleunigung: eine quadratische Trendanalyse und ein Bruchpunkterkennungsverfahren, das den Wendepunkt zwischen Februar 2013 und Februar 2014 identifizierte. Alle zehn Jahre seit 2015 zählen zu den wärmsten je gemessenen, wobei die letzten drei Jahre die Spitzenpositionen belegen.
Als Hauptursache der beschleunigten Erwärmung identifiziert die Studie den Rückgang atmosphärischer Aerosole infolge internationaler Vorschriften für Schiffskraftstoffe, die um 2020 in Kraft traten. Diese Regelungen senkten den Schwefelausstoß der Schifffahrt um rund 85 Prozent. Obwohl die Aerosole Sonnenlicht reflektierten und zur Bildung kühlender Wolken beitrugen, verursachten sie gleichzeitig schwere Luftverschmutzung. Ihre Beseitigung verhindert schätzungsweise rund 260.000 vorzeitige Todesfälle jährlich, hat jedoch die volle Erwärmungswirkung der in der Atmosphäre angesammelten Treibhausgase freigelegt.
Rahmstorf bezeichnete das Phänomen als Paradox der sauberen Luft und erklärte, dass die Verbesserung der Luftqualität unbeabsichtigt das wahre Ausmaß der Treibhausgaserwärmung offengelegt habe, die durch die Aerosolbelastung jahrzehntelang teilweise verdeckt geblieben war. Die Ergebnisse haben erhebliche Auswirkungen auf internationale Klimaziele. Beim gegenwärtigen Erwärmungstempo ist es möglich, dass die 1,5-Grad-Schwelle des Pariser Abkommens gegenüber dem vorindustriellen Niveau dauerhaft vor 2030 überschritten wird. Sollte die beschleunigte Rate anhalten, deuten Prognosen auf eine Erwärmung von etwa 4 Grad Celsius bis 2100 hin.
Rahmstorf merkte allerdings an, dass diese erhöhte Erwärmungsrate im nächsten Jahrzehnt möglicherweise nicht anhalten werde, da kein vergleichbarer Aerosolrückgang zu erwarten sei. Er betonte, dass die Geschwindigkeit der weiteren Erderwärmung letztlich davon abhänge, wie schnell die Welt ihre Kohlendioxidemissionen auf null reduziere. Claudie Beaulieu von der University of California in Santa Cruz warnte, dass die beobachtete Beschleunigung sich als vorübergehend erweisen und keine dauerhafte Verschiebung der Erwärmungstendenz darstellen dürfte.
Michael Mann von der University of Pennsylvania vertrat eine andere Auffassung und argumentierte, der zugrunde liegende Erwärmungstrend sei seit den 1970er Jahren in etwa konstant geblieben, und stellte infrage, ob der jüngste Anstieg eine echte langfristige Beschleunigung darstelle. Die Debatte verdeutlicht die Komplexität, kurzfristige Schwankungen der Erwärmungsraten bestimmten Ursachen zuzuordnen. Unabhängig von der Interpretation bekräftigt die Studie, dass die globalen Temperaturen weiterhin in alarmierendem Tempo steigen und dass entschlossene Emissionsminderungen unverzichtbar bleiben.
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