Zurück zur Startseite James-Webb-Teleskop enthüllt die bisher klarste Karte des kosmischen Netzes zwischen den Galaxien Wissenschaft

James-Webb-Teleskop enthüllt die bisher klarste Karte des kosmischen Netzes zwischen den Galaxien

Veröffentlicht am 13. Mai 2026 810 Aufrufe

Astronomen, die das James-Webb-Weltraumteleskop der NASA nutzen, haben die bisher detaillierteste Karte des kosmischen Netzes erstellt — jenes gewaltigen Netzwerks aus Gasfilamenten und Dunkler Materie, das Galaxien über das gesamte beobachtbare Universum hinweg verbindet. Die am 13. Mai 2026 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Ergebnisse stellen einen bedeutenden Durchbruch für das Verständnis der großräumigen Struktur des Kosmos dar und könnten die Theorien darüber verändern, wie Galaxien über Milliarden von Jahren entstehen, wachsen und sich entwickeln.

Das kosmische Netz ist ein riesiges Gerüst aus Materie, das sich über das Universum erstreckt und aus dichten Filamenten aus Wasserstoffgas und Dunkler Materie besteht, die durch enorme Leerräume voneinander getrennt sind. Obwohl theoretische Modelle seine Existenz seit langem vorhergesagt haben, blieb die direkte Beobachtung äußerst schwierig, da die Filamente schwach und diffus sind. Die beispiellose Infrarotempfindlichkeit des Webb-Teleskops ermöglichte es dem internationalen Forschungsteam unter Führung von Astrophysikern am Space Telescope Science Institute in Baltimore, die schwächsten Emissionssignaturen von intergalaktischem Gas zu erfassen, die zuvor nie beobachtet worden waren.

Mithilfe des Nahinfrarot-Spektrographen und des Mittelinfrarot-Instruments von Webb untersuchte das Team eine Raumregion von etwa 300 Millionen Lichtjahren Ausdehnung und erfasste Daten von über 12.000 Galaxien sowie den dünnen Gasfilamenten, die sie verbinden. Die resultierende dreidimensionale Karte zeigt, dass die Filamente weitaus komplexer und stärker vernetzt sind, als frühere Modelle nahelegten, mit verzweigten Strukturen und dichten Knotenpunkten, an denen Galaxienhaufen liegen. Die Forschenden stellten fest, dass die Karte die Existenz sogenannter kalter Ströme bestätigt — Ströme aus ursprünglichem Gas, die entlang der Filamente fließen und die Sternentstehung in fernen Galaxien antreiben.

Dr. Elena Vasquez, die Erstautorin der Studie, erläuterte, dass die neue Karte einen direkten Beobachtungstest für kosmologische Simulationen liefert, die die Astrophysik seit Jahrzehnten prägen. Sie betonte, dass mehrere Vorhersagen des Lambda-CDM-Standardmodells eng mit den Beobachtungen übereinstimmen, während andere Aspekte — insbesondere die Dichte und Temperatur des Filamentgases — unerwartete Abweichungen zeigten, die weitere Untersuchungen erfordern. Das Forschungsteam plant, die Durchmusterung in den nächsten zwei Jahren auf ein größeres Raumvolumen auszudehnen.

In einer separaten, aber ebenso bemerkenswerten wissenschaftlichen Entwicklung, die am selben Tag bekannt gegeben worden ist, enthüllten Paläontologen in Patagonien, Argentinien, die Entdeckung von Bicharracosaurus dionidei, einem bisher unbekannten riesigen Sauropoden-Dinosaurier, der vor etwa 160 Millionen Jahren während des späten Jura die Südhalbkugel bewohnte. Das Exemplar mit einer geschätzten Länge von etwa 20 Metern bietet neue Einblicke in die Diversifizierung der Vorfahren der Titanosaurier in Gondwana, lange vor ihren bekannteren Nachkommen aus der Kreidezeit.

Die Dinosaurier-Entdeckung, veröffentlicht in den Proceedings of the Royal Society B, schließt eine bedeutende Lücke im Fossilienbestand. Der Paläontologe Dr. Marco Suarez, der die Ausgrabungen nahe der Provinz Neuquén leitete, erklärte, dass Bicharracosaurus eine einzigartige Kombination von Skelettmerkmalen aufweist, die ihn an einen entscheidenden Verzweigungspunkt im Stammbaum der Sauropoden stellt. Der Fund legt nahe, dass Gigantismus unabhängig in mehreren Abstammungslinien auf der Südhalbkugel entstand, was die lange vertretene Annahme infrage stellt, dass extreme Körpergröße hauptsächlich in einer einzigen Evolutionslinie auftrat.

Zusammengenommen unterstreichen diese beiden Entdeckungen die Breite des wissenschaftlichen Fortschritts im Jahr 2026, von den größten Skalen des Kosmos bis zur urzeitlichen Geschichte des Lebens auf der Erde. Die Erforschung des kosmischen Netzes durch das Webb-Teleskop dürfte noch jahrelang Daten liefern, während der argentinische Dinosaurierfund bereits neue Grabungskampagnen in Patagonien ausgelöst hat.

Quellen: NASA, Nature, ScienceDaily

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