Zurück zur Startseite LiDAR-Studie zeigt riesige Aquiry-Zivilisation im alten Amazonien Wissenschaft

LiDAR-Studie zeigt riesige Aquiry-Zivilisation im alten Amazonien

Veröffentlicht am 30. Juli 2026 623 Aufrufe

Ein internationales Forschungsteam hat im südwestlichen Amazonien Hinweise auf eine weitaus größere präkolumbische Gesellschaft entdeckt als bislang dokumentiert. Mit Laserkartierung aus der Luft erfasste es Hunderte Strukturen unter dem Wald. Die am Mittwoch in Nature vorgestellte Studie schätzt, dass in der gesamten Region 24.000 bis 30.000 Erdwerke liegen könnten; etwa zwei Drittel davon ordnet das Team der kulturellen Tradition der Aquiry zu.

Die Forschenden kartierten 2024 aus Flugzeugen rund 4.500 Quadratkilometer und verbanden die LiDAR-Ergebnisse mit Satellitenbildern, bekannten archäologischen Fundorten und Untersuchungen entwaldeter Flächen. Laserimpulse, die den Boden erreichten, ermöglichten Geländemodelle unter dem Kronendach. Darin zeigten sich geometrische Einhegungen, Zeremonialzentren und Straßen, die gewöhnliche Luftbilder nicht erkennen lassen.

Nach Angaben von El País und der Universität Helsinki grenzte das Team ein mindestens 183.000 Quadratkilometer großes Aquiry-Gebiet nahe den heutigen Grenzen Brasiliens, Boliviens und Perus ab. Seine südlichen Grenzen verliefen zwischen Orten in den brasilianischen Bundesstaaten Rondônia und Acre, dem bolivianischen Raum Riberalta und Puerto Maldonado in Peru. Die Kultur prägte diese Landschaft vermutlich ungefähr von 600 vor unserer Zeitrechnung bis 850 unserer Zeitrechnung.

In direkt untersuchten entwaldeten Gebieten fanden die Fachleute deutlich mehr Erdwerke, als reine Satellitenerhebungen zuvor verzeichnet hatten. Viele Anlagen bilden große Quadrate, Kreise, Achtecke oder komplexere Einhegungen, umgeben von bis zu fünf Meter tiefen Gräben und erhöhten Wällen. Verbindungsstraßen zwischen den Fundorten sprechen für organisierte Mobilität und Austausch statt für voneinander isolierte Siedlungen.

Für die Bevölkerungsschätzung berechnete das Team den Arbeitsaufwand für Bau und Unterhalt mit Holzwerkzeugen und nahm an, dass ein Erwachsener täglich etwa einen Kubikmeter Erde bewegt. Daraus leitete es durchschnittlich rund 300 Menschen je Anlage und eine regionale Spitzenbevölkerung von 1,25 bis 3 Millionen Menschen etwa zwischen 100 und 300 unserer Zeitrechnung ab. Die Autoren betonen, dass diese Zahlen modellierte Spannen und keine direkte Volkszählung darstellen.

Die Ergebnisse stützen die Annahme, dass Teile Amazoniens lange vor dem europäischen Kontakt dicht besiedelt und gezielt gestaltet waren. Damit widersprechen sie älteren Darstellungen einer unberührten Wildnis mit ausschließlich kleinen, verstreuten Gruppen. Weitere Fundorte benötigen weiterhin Prüfungen und Datierungen vor Ort; zugleich deutet der Umfang des Befunds darauf hin, dass intakter Wald noch zahlreiche Bauwerke und ökologische Spuren indigener Landnutzung verbirgt.

Quellen: Nature, El País, University of Helsinki

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