Graham Platner, demokratischer Senatskandidat im US-Bundesstaat Maine, erwägt am Mittwoch seine politische Zukunft, nachdem ein Vorwurf des sexuellen Übergriffs eine Welle zurückgezogener Unterstützungen ausgelöst hat. Damit gerät eines der wichtigsten Rennen der Wahlen 2026 in schwere Turbulenzen. Senator Bernie Sanders, lange einer der prominentesten Unterstützer der Kampagne, erklärte, Platner solle den Weg frei machen, und schloss sich damit einer wachsenden Zahl von Demokraten an, die auf Distanz gehen.
Die Krise begann, als Jenny Racicot, eine Frau aus Maine, die früher mit Platner liiert war, dem Magazin Politico berichtete, er sei 2021 betrunken in ihr Haus eingedrungen und habe sie zum Sex gezwungen, nachdem sie ihn zum Aufhören aufgefordert hatte. Platner wies den Vorwurf am Montag zurück und erklärte, jede Anschuldigung nicht einvernehmlichen Verhaltens sei kategorisch falsch. Zugleich räumte er ein, sein Team berate über den besten weiteren Weg.
Die politischen Folgen zeigten sich rasch. Sanders zog als bislang prominentester Abgeordneter seine Unterstützung zurück, und auch der Senator von Arizona, Ruben Gallego, kündigte den Entzug seiner Empfehlung an. Die den Demokraten nahestehende Organisation End Citizens United ging denselben Schritt, während Parteiführer in Washington und Maine fieberhaft über das weitere Vorgehen beraten.
Platner, ein 41 Jahre alter Austernfarmer und Militärveteran, hatte die Unterstützung progressiver Führungsfiguren gebündelt, in einer Zeit, in der viele demokratische Wähler dem Partei-Establishment zunehmend skeptisch gegenüberstehen. Sein Aufstieg drängte Gouverneurin Janet Mills, 78, aus dem Vorwahlkampf, wobei diese ihm nach ihrem Rückzug demonstrativ die Unterstützung verweigerte. Platner soll im November die republikanische Senatorin Susan Collins herausfordern.
Für die Demokraten steht viel auf dem Spiel. Maine gilt als unverzichtbarer Bundesstaat im Bemühen der Partei, den Senat zurückzuerobern, in dem die Republikaner derzeit eine Mehrheit von 53 zu 45 Sitzen halten. Die Demokraten benötigen einen Nettozugewinn von vier Sitzen. Parteistrategen diskutieren bereits, wer Platner auf dem Stimmzettel ersetzen käme, falls er sich vor der Wahl am 3. November zurückzieht.
Platner nannte keinen festen Zeitplan für seine Entscheidung, und die Wahlbehörden in Maine hätten die Modalitäten eines späten Kandidatenwechsels zu klären. Vorerst stehen die Demokraten vor einer unbequemen Pattsituation zwischen einem Kandidaten, der jedes Fehlverhalten bestreitet, und einer Partei, die zunehmend überzeugt ist, dass der Sitz mit ihm an der Spitze nicht zu gewinnen ist.
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