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Wissenschaftler entdecken Protein als Auslöser diabetischer Erblindung — Medikament bereit für klinische Studien

Veröffentlicht am 9. März 2026 670 Aufrufe

Forscher am University College London haben ein Protein namens LRG1 als den frühesten Auslöser der diabetischen Retinopathie identifiziert, der weltweit häufigsten Erblindungsursache bei Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter. Die bahnbrechenden Ergebnisse, veröffentlicht am 7. März 2026 in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine, zeigen, dass LRG1 die Blutgefäße der Netzhaut verengt, den Blutfluss reduziert und die Kaskade von Schäden auslöst, die letztendlich zum Sehverlust bei Menschen mit Diabetes führt. Die Entdeckung stellt einen potenziellen Paradigmenwechsel in der Augenheilkunde dar — weg von der Behandlung fortgeschrittener Schäden hin zur Prävention der Grundursache, bevor eine Sehbeeinträchtigung eintritt.

Die diabetische Retinopathie betrifft weltweit etwa 100 Millionen Menschen und zählt seit langem zu den verheerendsten Komplikationen des Diabetes. Bis heute blieb der genaue Mechanismus, der den Krankheitsprozess einleitet, weitgehend unverstanden. Bestehende Behandlungen, darunter Lasertherapie und Anti-VEGF-Injektionen, zeigen erst in fortgeschrittenen Stadien Wirksamkeit, wenn das abnormale Blutgefäßwachstum bereits erhebliche und oft irreversible Schäden an der Netzhaut verursacht hat. Patienten erleiden häufig einen beträchtlichen Sehverlust, bevor eine Intervention überhaupt beginnen kann.

Das Forschungsteam der UCL hat entdeckt, dass LRG1 im allerersten Stadium der diabetischen Retinopathie aktiv ist — lange vor der abnormalen Blutgefäßvermehrung, die die fortgeschrittene Erkrankung kennzeichnet. Das Protein löst eine Vasokonstriktion in den retinalen Blutgefäßen aus und drosselt so die Blutversorgung des empfindlichen Netzhautgewebes. Dieser verminderte Blutfluss verursacht fortschreitende Schäden an den für das Sehen verantwortlichen Netzhautzellen und setzt eine Kette pathologischer Ereignisse in Gang, die schließlich zu den charakteristischen Zeichen der Erkrankung führt. Die Identifikation dieses initialen Auslösers eröffnet ein völlig neues Ziel für therapeutische Interventionen.

In einer besonders vielversprechenden Entwicklung steht ein Medikament, das speziell zur Blockade der LRG1-Aktivität entwickelt ist, bereits für den Eintritt in klinische Studien bereit. Der therapeutische Wirkstoff neutralisiert das Protein, bevor es die retinalen Blutgefäße verengen kann, bewahrt so den normalen Blutfluss und verhindert die frühesten Schäden. Bei erfolgreichen Studien am Menschen hat dieses Medikament das Potenzial, die Behandlungslandschaft der diabetischen Retinopathie grundlegend zu verändern. Es bietet Patienten eine präventive Option, anstatt auf Interventionen angewiesen zu sein, die Schäden erst nach deren Entstehung behandeln.

Fachleute für Augenheilkunde und Diabetesforschung bezeichnen die Ergebnisse als bedeutenden Durchbruch mit weitreichenden Auswirkungen. Die Möglichkeit, bereits im frühesten Stadium der Erkrankung einzugreifen, hat das Potenzial, Erblindung bei Millionen von Menschen mit Diabetes weltweit zu verhindern. Anstatt abzuwarten, bis Patienten sichtbare Netzhautschäden und erheblichen Sehverlust entwickeln, haben Ärzte künftig die Möglichkeit, die gegen LRG1 gerichtete Therapie als präventive Maßnahme für Risikopatienten einzusetzen.

Die Entdeckung hat auch über die diabetische Retinopathie hinaus weitreichende Bedeutung. Da LRG1 die Gefäßfunktion durch seine Wirkung auf Blutgefäße beeinflusst, spielt das Protein möglicherweise auch bei anderen Gefäßerkrankungen im gesamten Körper eine Rolle. Forscher der UCL haben angekündigt, dass zukünftige Studien den möglichen Zusammenhang zwischen LRG1 und Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen und anderen mit Diabetes assoziierten Komplikationen untersuchen. Die klinischen Studien für das gegen LRG1 gerichtete Medikament sollen in den kommenden Monaten mit der Rekrutierung von Teilnehmern beginnen, wobei die Forscher ihren Optimismus zum Ausdruck bringen, den Patienten innerhalb der nächsten Jahre eine transformative Therapie anbieten zu können.

Quellen: ScienceDaily, Science Translational Medicine, UCL News

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