Eine Straßenbahn ist am Freitagnachmittag in der Mailänder Innenstadt entgleist, wobei zwei Menschen starben und mindestens 39 weitere verletzt sind — einer der schwersten Nahverkehrsunfälle, die die italienische Stadt in den vergangenen Jahren erlebt hat. Die Straßenbahn der Linie 9 verließ auf dem Viale Vittorio Veneto im Stadtviertel Porta Venezia gegen 16:11 Uhr Ortszeit die Gleise, erfasste Fußgänger und krachte anschließend in die Schaufensterfront eines japanischen Restaurants. Rettungskräfte eilten zum Unfallort und setzten 25 Feuerwehrleute, 19 Rettungswagen und mehrere Notarztteams ein.
Bei den beiden Todesopfern handelt es sich um einen 60-jährigen Mann aus Abbiategrasso, einer Stadt südwestlich von Mailand, der unter dem umgestürzten Fahrzeug eingeklemmt starb, sowie um einen senegalesischen Staatsbürger, der als Fahrgast in der Straßenbahn saß. Das zweite Opfer gelangte in kritischem Zustand ins Niguarda-Krankenhaus, erlag dort jedoch kurz darauf seinen Verletzungen. Unter den 39 Verletzten befand sich eine Person in lebensbedrohlichem Zustand, sechs weitere erlitten schwere Verletzungen. Die übrigen Betroffenen trugen leichte Blessuren davon und erhielten in umliegenden Krankenhäusern Behandlung.
Bei der betroffenen Straßenbahn handelt es sich um ein Tramlink-Modell der neuesten Generation — ein bidirektionales Fahrzeug mit 25 Metern Länge, drei gekoppelten Wagenteilen und 66 Sitzplätzen. Das Fahrzeug hatte erst eine Woche zuvor, am 20. Februar, den Betrieb auf der Linie 9 aufgenommen, was sofort Fragen aufwarf, ob die neue Flotte eine Rolle beim Unglück gespielt haben könnte. Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala erklärte jedoch, der Vorfall scheine nicht auf ein technisches Problem zurückzugehen, sondern stehe vielmehr im Zusammenhang mit dem Fahrer.
Der Fahrer, ein erfahrener Mitarbeiter des Mailänder Nahverkehrsbetreibers ATM mit 34 Jahren Dienstzeit, gab gegenüber den Ermittlern an, sich kurz vor der Entgleisung unwohl gefühlt zu haben. In seiner ersten Aussage berichtete er von einer plötzlichen gesundheitlichen Krise, die ihn daran gehindert habe, das Fahrzeug zu steuern. Die Ermittler prüfen, ob die Straßenbahn mit überhöhter Geschwindigkeit in eine Kurve fuhr, an der sie geradeaus hätte fahren sollen, stattdessen jedoch scharf nach links abkam. Technische Überprüfungen der Weichenstellungen am Unfallort ergaben keine mechanischen Defekte.
Mailands Oberstaatsanwalt Marcello Viola erschien am Unfallort und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung ein. Ein technischer Gutachter soll eine kinematische Analyse des Unfalls erstellen, die Geschwindigkeit und Fahrtrichtung der Straßenbahn in den Momenten vor der Entgleisung rekonstruiert. Der Fahrer gelangte zur medizinischen Untersuchung ins Krankenhaus und sollte im Laufe des Abends förmlich vernommen werden.
Der Unfall hat Mailand erschüttert. Augenzeugen beschrieben Szenen von Chaos und Panik auf einem der belebtesten Boulevards der Stadt. Ein Fahrgast erzählte italienischen Medien, er habe zunächst an ein Erdbeben gedacht, als die Straßenbahn plötzlich aus den Schienen sprang. ATM stellte den gesamten Betrieb auf der Linie 9 bis zum Abschluss der Ermittlungen ein, und die Stadtverwaltung kündigte eine gründliche Überprüfung der neuen Tramlink-Fahrzeuge an.
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