Der Weltklimarat der Vereinten Nationen hat sein extremstes Erwärmungsszenario, bekannt als RCP 8.5, offiziell als unplausibel eingestuft und damit einen bedeutenden Wandel im Rahmen der Klimamodellierung vollzogen, der Jahrzehnte der Forschung, Medienberichterstattung und Regierungspolitik weltweit geprägt hat. Das internationale Komitee, das für die offiziellen IPCC-Szenarien zuständig ist, stellte fest, dass die Hochemissionspfade, einschließlich RCP 8.5, SSP5-8.5 und SSP3-7.0, keine realistischen Emissionsentwicklungen mehr widerspiegeln, und verwies auf die sinkenden Kosten erneuerbarer Energien, die Entstehung von Klimapolitik in großen Volkswirtschaften und aktuelle Emissionstrends.
RCP 8.5 prognostizierte einen globalen Temperaturanstieg von etwa 4,8 Grad Celsius bis 2100 und ging davon aus, dass die Welt im Wesentlichen keine Maßnahmen zur Eindämmung der Treibhausgasemissionen ergreifen und den Kohleverbrauch im Laufe des 21. Jahrhunderts dramatisch steigern werde. Die überarbeiteten Prognosen gehen nun von etwa drei Grad Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts aus, ein Niveau, das Wissenschaftler zufolge immer noch schwerwiegende Folgen hätte.
Die Stilllegung von RCP 8.5 hat tiefgreifende Auswirkungen auf die wissenschaftliche Literatur, in der Zehntausende von Forschungsarbeiten unter Verwendung des Szenarios als Grundlage veröffentlicht worden sind. Studien zu Themen von Ernteerträgen über Küstenüberschwemmungen bis hin zum Verlust der Artenvielfalt stützten sich auf das extreme Szenario, und die Neubewertung wirft Fragen auf, ob die darauf basierenden Ergebnisse überprüft werden sollten.
Die Entscheidung hat auch erhebliche politische Auswirkungen, da Regierungen und internationale Organisationen regulatorische Rahmenwerke und Investitionsentscheidungen auf Prognosen aufgebaut haben, die die nun diskreditierten Extremszenarien einschlossen. Befürworter der Klimapolitik haben betont, dass die korrigierten Prognosen nicht als Grund zur Nachlässigkeit interpretiert werden sollten, da drei Grad Erwärmung weiterhin eine gefährliche Abweichung von vorindustriellen Bedingungen darstellen.
Trotz der Abwärtskorrektur betonen Klimawissenschaftler, dass die aktuelle Entwicklung der globalen Emissionen weiterhin unvereinbar mit den Zielen des Pariser Abkommens bleibt, die Erwärmung auf 1,5 oder 2 Grad Celsius zu begrenzen. Die Stilllegung des schlimmsten Szenarios sollte die Aufmerksamkeit auf die erreichbaren, aber dringenden politischen Veränderungen lenken, die nötig sind, um diese Lücke zu schließen.
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