Der FK Bodo/Glimt sorgte am Dienstagabend für eine der größten Sensationen in der Geschichte der Champions League und besiegte Inter Mailand im San Siro mit 2:1. Mit einem Gesamtergebnis von 5:2 zieht der Verein als erster norwegischer Klub überhaupt in das Achtelfinale ein. Die Mannschaft aus dem hohen Norden, trainiert von Kjetil Knutsen, zerlegte den italienischen Giganten mit gnadenloser Kontereffizienz trotz nur 29,5 Prozent Ballbesitz und lediglich sieben Torschüssen über die gesamten 90 Minuten. Rund 3.000 mitgereiste Fans aus Nordnorwegen erlebten eine Leistung, die in die Annalen des europäischen Fußballs eingehen wird.
Inter, mittlerweile unter der Leitung von Cristian Chivu nach dem Abgang von Simone Inzaghi in die Saudi Pro League infolge der verheerenden 0:5-Niederlage im Champions-League-Finale gegen Paris Saint-Germain in der vergangenen Saison, ging mit einem 1:3-Rückstand aus dem Hinspiel in Norwegen in das Rückspiel. Ohne die verletzten Lautaro Martinez und Hakan Calhanoglu warfen die Nerazzurri vom Anpfiff an alles nach vorne. Sie erzielten 70,5 Prozent Ballbesitz, gaben 30 Schüsse ab, davon sieben auf das Tor, und holten 16 Ecken. Doch trotz dieser erdrückenden territorialen Überlegenheit offenbarte Inter eine erschreckende Chancenverwertung. Davide Frattesi vergab in der 51. Minute eine Riesenchance, die der Partie eine völlig andere Wendung hätte geben können.
Der entscheidende Moment ereignete sich in der 58. Minute, als Manuel Akanji einen folgenschweren Ballverlust in der eigenen Hälfte beging. Der Fehler ermöglichte Albert Gronbaek Blomberg einen Schuss, den Torwart Yann Sommer nur abprallen lassen vermochte, und Jens Petter Hauge stand goldrichtig, um den Abpraller einzuschieben. Das Tor erschütterte das San Siro und begrub Inters Hoffnungen auf ein Comeback. Hauge, der die gesamte Champions-League-Kampagne in herausragender Form bestritt, erzielte damit seinen sechsten Treffer im europäischen Wettbewerb in dieser Saison.
Bodo/Glimt erhöhte in der 72. Minute durch einen Moment atemberaubender Qualität auf 2:0 am Abend. Hauge nahm den Ball auf und spielte einen perfekt dosierten Lupfer über die Inter-Abwehr, und Ola Solbakken Evjen traf im vollen Lauf mit einem fulminanten Schuss mit dem rechten Fuß ins lange Eck. Alessandro Bastoni verkürzte in der 76. Minute per Abstauber aus kurzer Distanz, nachdem der Ball die Linie nur knapp überquert hatte, doch das Anschlusstor unterstrich letztlich nur das Ausmaß des italienischen Scheiterns.
Nikita Haikin, der Torhüter von Bodo/Glimt, zeigte eine meisterhafte Vorstellung und parierte mehrere entscheidende Schüsse, um Inter auf Distanz zu halten. Von den sieben Torschüssen der Norweger fanden fünf das Ziel, ein Beleg für die außergewöhnliche Kaltschnäuzigkeit, die ihren Champions-League-Lauf prägt. Hauge, als Spieler des Spiels für sein Tor und seine Vorlage ausgezeichnet, hat sich zu einem der aufregendsten Offensivtalente im europäischen Fußball dieser Saison entwickelt.
Nach dem Schlusspfiff räumte ein sichtlich erschütterter Chivu ein, dass Inter über die beiden Begegnungen hinweg nicht wettbewerbsfähig genug gewesen sei. Mittelfeldspieler Nicolo Barella gestand zu, dass Bodo/Glimt den Aufstieg verdient habe, und erklärte, Inters Fokus verlagere sich nun vollständig auf den Kampf um den Scudetto in der Serie A. Die Niederlage markiert Inters erstes Ausscheiden nach Hin- und Rückspiel in der Champions League seit der Saison 2010/11, und im neuen Turnierformat gibt es kein Auffangnetz über die Europa League, sodass die Nerazzurri in dieser Saison aus sämtlichen europäischen Wettbewerben ausgeschieden sind.
Für Bodo/Glimt stellt der Triumph einen historischen Meilenstein für den norwegischen Fußball dar. Noch nie hatte ein norwegischer Verein eine Runde in der Champions League überstanden, geschweige denn das Achtelfinale erreicht. Knutsens Mannschaft, die ihre Heimspiele auf Kunstrasen in einer Stadt 200 Kilometer nördlich des Polarkreises austrägt, hat alle Erwartungen übertroffen und trifft nun in der nächsten Runde auf einen der europäischen Spitzenklubs.
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