Bosnien und Herzegowina wählt am Sonntag, dem 4. Oktober, auf nationaler und regionaler Ebene. Im Mittelpunkt stehen der angestrebte EU-Beitritt und das politisch gespaltene System. Reuters berichtet über die Wahl des dreiköpfigen Staatspräsidiums, des nationalen Parlaments und regionaler Institutionen. Die Wahlkommission führt 3.408.517 Wahlberechtigte und 7.028 Kandidaten für 518 Ämter auf.
Den Rahmen bildet das Friedensabkommen von Dayton aus dem Jahr 1995, das den Krieg von 1992 bis 1995 beendete. Reuters beschreibt einen Staat, dessen zentrale Institutionen die mehrheitlich serbische Republika Srpska und die bosniakisch-kroatische Föderation verbinden. Ethnisch geprägte Parteien treten gegen Oppositionsbündnisse unter Führung der Sozialdemokratischen Partei an.
Laut Kommission kommen erstmals biometrische Wähleridentifizierung, Stimmzettelscanner und eine schnelle Ergebnisübermittlung zum Einsatz. AP berichtet über technische Schwierigkeiten, die die Öffnung einiger Wahllokale verzögerten. Das Innenministerium der Republika Srpska meldete laut AP Verzögerungen in 201 seiner 1.957 Wahllokale; die Zahlen gelten für diese Teilrepublik, nicht für das ganze Land.
AP zufolge bleibt der frühere bosnisch-serbische Politiker Milorad Dodik einflussreich, obwohl er nach seiner Verurteilung wegen Missachtung des internationalen Friedensbeauftragten keine öffentlichen Ämter ausüben darf. Er kandidiert nicht, prägt aber weiterhin den Wahlkampf seiner Partei. AP beschreibt anhaltende ethnische Spannungen sowie Sorgen über Lebensstandard und Auswanderung.
Die europäische Bedeutung reicht über den Wahltag hinaus. Laut Reuters erhielt Bosnien im Dezember 2022 den EU-Kandidatenstatus und 2024 grünes Licht für Beitrittsverhandlungen, doch die eigentlichen Gespräche haben noch nicht begonnen. Die politischen Führungen müssen weiterhin Anforderungen an Justizkontrolle und Gesetze gegen Korruption erfüllen; die Reformaufgaben bleiben offen.
Die Wahllokale schließen laut Kommission und Reuters um 19 Uhr Ortszeit, also 17 Uhr UTC. Vorläufige Ergebnisse werden später am Sonntag erwartet. Die Kommission verlangt gültige Ausweispapiere und garantiert das Wahlgeheimnis. Sie bittet die Wähler, ihr zugewiesenes Wahllokal und die Abläufe zu prüfen; während die Abstimmung läuft, steht das Ergebnis noch aus.
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