Eine 60-jährige Kunstlehrerin am Collège La Guicharde in Sanary-sur-Mer in Südfrankreich ist von einem 14-jährigen Schüler während des Unterrichts am Montagnachmittag niedergestochen worden und befindet sich nun nach einer Notoperation in stabilem Zustand. Der Angriff, der gegen 14 Uhr vor 22 Schülern einer dritten Klasse stattfand, hinterließ die erfahrene Pädagogin mit vier Messerwunden, drei im Bauchbereich und einer am Arm, wobei ihre Vitalprognose zunächst kritisch war.
Bildungsminister Édouard Geffray reiste zum Tatort und bestätigte, dass die Lehrerin die Operation in stabilem Zustand verlassen habe. Der Minister drückte dem Opfer, ihrer Familie und der gesamten Schulgemeinschaft sein sofortiges Mitgefühl aus und erklärte, dass er ihre tiefe Erschütterung teile. Die Schule blieb am Dienstag geschlossen, wobei psychologische Betreuungsstellen sowohl für Schüler als auch für das Personal eingerichtet wurden.
Der jugendliche Verdächtige wurde unmittelbar nach dem Angriff auf dem Schulhof festgenommen und wegen versuchten Mordes in Gewahrsam genommen. Nach Angaben des Staatsanwalts von Toulon, Raphaël Balland, hatte der Schüler kein Vorstrafenregister, aber dokumentierte familiäre Probleme. Der Staatsanwalt erklärte, dass es in dieser Phase der Ermittlungen keine religiöse oder politische Dimension des Angriffs gebe.
Die Ermittler enthüllten, dass in letzter Zeit Spannungen zwischen dem Schüler und der Lehrerin bestanden hatten, wobei der Jugendliche ihr angeblich die gegen ihn eingereichten Disziplinarberichte vorwarf. Mitschüler sagten den Behörden, dass der Angreifer seine Klassenkameraden wiederholt vor seinen Absichten gewarnt habe und erklärt habe, er sei entschlossen, die Lehrerin zu erstechen und zu töten. Trotz dieser alarmierenden Aussagen waren vor dem gewaltsamen Angriff keine präventiven Maßnahmen ergriffen worden.
Der Fall hat auch besorgniserregende Fragen zum Kinderschutz rund um den Verdächtigen aufgeworfen. Die Staatsanwaltschaft enthüllte, dass die Schule im März einen Bericht über mutmaßliche Gewalt der Eltern gegen die jüngere Schwester des Schülers bei den Behörden eingereicht hatte. Im September ordnete ein Jugendrichter eine Erziehungshilfemaßnahme für beide Kinder an. Der Angriff hat in Frankreich die Debatte über die Schulsicherheit und die Notwendigkeit besserer Interventionssysteme zur Identifizierung gefährdeter Schüler vor dem Auftreten von Gewalt neu entfacht.
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