Zurück zur Startseite Gebrauchtbuchhändler rätseln über Großbestellungen im Wettlauf um KI-Daten Technologie

Gebrauchtbuchhändler rätseln über Großbestellungen im Wettlauf um KI-Daten

Veröffentlicht am 16. August 2026 0 Aufrufe

Gebrauchtbuchhändler in Großbritannien und Irland melden eine ungewöhnliche Welle großer Bestellungen ohne erkennbaren thematischen Zusammenhang. Dies nährt den Verdacht, dass einige gedruckte Bücher als Trainingsmaterial für künstliche Intelligenz dienen sollen. The Guardian berichtete am Samstag, dem 15. August, nach Gesprächen mit Läden, die Anfragen aus den USA, Kanada, Kontinentaleuropa und Großbritannien erhielten. Bislang verbindet kein Beleg diese konkreten Geschäfte mit einem KI-Labor; mehrere genannte Zwischenhändler bestreiten ähnliche Vorwürfe oder antworteten nicht.

Stuart Manley, Miteigentümer von Barter Books in Alnwick, erklärte, die Anfragen hätten vor etwa drei Monaten begonnen und folgten keinem für Sammlungen üblichen Thema. Eine Bestellung kombinierte eine estnische Übersetzung eines Romans von John le Carré, eine bestimmte Ausgabe von Anne Brontës Agnes Grey und ein Heft einer Marinezeitschrift aus dem Jahr 1983. Drei Käufer erwarben laut Manley Hunderte zufällig wirkende Bücher für insgesamt rund 4.000 Pfund.

MW Books in Claregalway erhält seit Mai große gemischte Aufträge; BookLovers of Bath verzeichnete zwischen Mai und Juli einen Schub von etwa 200 Büchern. Ein weiterer britischer Händler berichtete dem Guardian von 6.000 seit Januar bestellten Büchern. Ähnliche Käufer zahlten den vollen Preis und nutzten teils dieselbe Lieferadresse unter verschiedenen Namen. Eine von der Zeitung geprüfte Postleitzahl führte zu Frachtlagern nahe dem Flughafen Heathrow.

Das Muster ähnelt Berichten aus Australien, den Niederlanden, Deutschland, der Schweiz und den USA. Fortune dokumentierte die Anfrage eines als 2077AI auftretenden Unternehmens an einen niederländischen Händler über 3.001 ISBN-Nummern. Die Nachricht nannte keinen Verwendungszweck, und das Unternehmen reagierte nicht. Zoom Books, das in mehreren Berichten auftaucht, bezeichnet sein Geschäft als Buchrecycling und bestritt zuvor, Bücher für das Auslesen zugunsten von KI zu kaufen.

Für den Verdacht existiert allerdings ein belegter Branchenkontext. Gerichtsakten zeigten, dass Anthropic Millionen gedruckte Bücher kaufte, die Bindungen entfernte, die Seiten scannte und die Originale entsorgte, um eine digitale Bibliothek aufzubauen. Anthropic erklärt, Claude nutze öffentliche Webinhalte, kommerziell erworbene Datensätze und intern erzeugte Daten; kein Beschaffungsprogramm kaufe oder zerstöre seltene beziehungsweise antiquarische Bücher. ISBNdb bezeichnete eine Webseite für KI-Massenbeschaffung als bloßen Markttest und erklärte, der Dienst sei nie gestartet.

Bücher bieten redaktionell bearbeitete Texte, darunter ältere oder seltene Werke ohne Online-Ausgabe, und sind deshalb für Entwickler auf der Suche nach frischen Trainingsdaten wertvoll. Ingram Content Group informierte Verlage in diesem Jahr über steigende Käufe gedruckter Bücher durch KI-Firmen und bot einen Ausschluss bekannter Direktverkäufe an, räumte aber Schwierigkeiten bei der Käufererkennung ein. Händler spüren bereits zusätzlichen Aufwand und gestörte Bestände; ob die jüngsten Aufträge tatsächlich zu einer KI-Lieferkette gehören, bleibt offen und verlangt mehr Transparenz.

Quellen: The Guardian, Fortune, Publishers Weekly

Kommentare