Etwa jeder dritte Erwachsene in psychiatrischer Behandlung im Nahen Osten, in Nordafrika und in Türkiye lebt mit einem metabolischen Syndrom. Das ergibt eine systematische Übersicht und Metaanalyse, die Scientific Reports am Donnerstag veröffentlichte. Das Forschungsteam bündelte 29 Studien mit 16.133 Teilnehmenden und ermittelte eine Prävalenz von 32,0 Prozent. Damit zeigt die Untersuchung eine erhebliche Belastung durch Herz-Kreislauf- und Diabetesrisiken bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen und anderen psychiatrischen Diagnosen.
Das metabolische Syndrom bezeichnet ein gemeinsames Auftreten von Beschwerden wie abdominaler Fettleibigkeit, hohem Blutdruck, ungünstigen Blutfettwerten und erhöhtem Blutzucker. Zusammen steigern diese Faktoren das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen und Schlaganfälle. Die Analyse erfasste zwischen 2008 und 2024 publizierte Arbeiten; die Datenbanksuche reichte bis August 2025. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 36,96 Jahren.
Siebzehn Studien befassten sich mit Erkrankungen aus dem Schizophrenie-Spektrum, fünf mit bipolaren Störungen und die übrigen mit gemischten oder anderen psychiatrischen Diagnosen. In Proben, die ausschließlich schwere psychische Erkrankungen umfassten, lag die gepoolte Prävalenz bei 30,7 Prozent und damit nahe am Gesamtwert. Zudem hing ein höherer Frauenanteil in einer Studie statistisch signifikant mit einer höheren Prävalenz zusammen.
Die Schätzwerte unterschieden sich je nach verwendeter Definition. Studien nach den Kriterien der International Diabetes Federation ergaben eine gepoolte Rate von 38,9 Prozent, während die Kriterien des Adult Treatment Panel III zu 28,9 Prozent führten. Diese Differenz mahnt bei Vergleichen zwischen Ländern und Versorgungssystemen zur Vorsicht. Einheitliche Untersuchungsstandards könnten gefährdete Patientinnen und Patienten zuverlässiger erkennen.
Nach Einschätzung der Autoren sprechen die Ergebnisse für eine engere Verbindung körperlicher und psychischer Gesundheitsversorgung sowie für regelmäßige Kontrollen metabolischer Werte in psychiatrischen Diensten. Die zusammengefassten Beobachtungsdaten belegen jedoch keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen einer psychiatrischen Erkrankung oder ihrer Behandlung und dem Syndrom; außerdem unterschieden sich die verfügbaren Studien deutlich. Springer Nature kennzeichnet den am 21. Juli akzeptierten Beitrag als frühe, redaktionell noch nicht abschließend bearbeitete Fassung.
Kommentare