Der erste Globale Dialog der Vereinten Nationen zur Steuerung Künstlicher Intelligenz endete in Genf mit eindringlichen Warnungen: Die Wissenschaft kann derzeit nicht garantieren, dass fortgeschrittene KI-Systeme keine katastrophalen Schäden verursachen. Zugleich tritt am Mittwoch in der Schweizer Stadt eine neue globale Kommission zusammen, die Technologieführer und Staatschefs vereint.
Der zweitägige Gipfel am 6. und 7. Juli versammelte Regierungen, Technologieunternehmen, Wissenschaftler und Gruppen der Zivilgesellschaft zur ersten großen Bewährungsprobe der neuen UN-Architektur für die Aufsicht über Künstliche Intelligenz. Das Treffen stützte sich auf die Arbeit des Unabhängigen Internationalen Wissenschaftsgremiums für KI, eines Gremiums aus 40 Fachleuten aus allen Weltregionen, das seinen ersten Bewertungsbericht am 1. Juli vorlegte.
Yoshua Bengio, Ko-Vorsitzender des Gremiums und einer der meistzitierten Forscher des Fachs, sagte den Delegierten, die Wissenschaft könne gegenwärtig nicht garantieren, dass KI mit weiter wachsenden Fähigkeiten keine katastrophalen Schäden anrichte, sei es aus eigenem Antrieb oder in den Händen böswilliger Nutzer. Seine Ko-Vorsitzende, die Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa, warnte, KI-gestützte Manipulation bedrohe weltweit die Integrität von Informationen, und beschrieb das Risiko als mögliche Informationskatastrophe mit Folgen für jede Demokratie.
Die Delegierten benannten mehrere strukturelle Sorgen, darunter die Konzentration der KI-Entwicklung auf nur zwei Länder, die Vereinigten Staaten und China, sowie eine wachsende globale Kluft, die Entwicklungsländer von den Vorteilen der Technologie ausschließt. Der Dialog unter dem gemeinsamen Vorsitz des estnischen Botschafters Rein Tammsaar und der salvadorianischen Botschafterin Egriselda López behandelte zudem die Gefahr eines Missbrauchs von KI zu Zwecken der Unterdrückung und die schleichende Aushöhlung demokratischer Institutionen.
Die Gespräche zielen darauf ab, allgemein akzeptierte Leitplanken und multilaterale Steuerungsmechanismen unter Koordination der Vereinten Nationen zu schaffen, in einer Zeit, in der nationale Regelwerke zersplittert bleiben. Der Schwung verlagert sich nun auf die AI for Good Global Commission, ein neues, gemeinsam mit der Internationalen Fernmeldeunion gestartetes Gremium, das am Mittwoch in Genf zu seiner ersten Sitzung zusammenkommt und Staatschefs mit führenden Technologiemanagern an einen Tisch bringt.
Beobachter mahnten, verbindliche internationale Regeln lägen weiterhin in weiter Ferne, und der eigentliche Maßstab des Genfer Prozesses werde sein, ob Regierungen dessen Empfehlungen in nationale Politik übersetzen. Das Wissenschaftsgremium will regelmäßig weitere Bewertungen veröffentlichen und den Entscheidungsträgern damit eine gemeinsame Faktenbasis geben, während die Fähigkeiten der KI in einem Tempo wachsen, mit dem Regulierer kaum Schritt halten.
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