Zurück zur Startseite Anthropic meldet KI-gestützten Fund eines ungewöhnlichen Enzymsystems Wissenschaft

Anthropic meldet KI-gestützten Fund eines ungewöhnlichen Enzymsystems

Veröffentlicht am 24. September 2026 0 Aufrufe

Anthropic teilte am 23. September mit, seine künstliche Intelligenz Claude habe bei der Identifizierung eines bisher nicht charakterisierten Enzymsystems in Viren geholfen, die Bakterien befallen. Die Entdeckung stammt aus der neuen Abteilung für Biowissenschaften im Raum San Francisco und betrifft wiederholte DNA-Abschnitte neben einem Enzymgen. Das Unternehmen nennt das System arrayassoziierte reverse Transkriptasen, kurz ART. Die Ergebnisse liegen als Vorabveröffentlichung vor und haben noch keine unabhängige Begutachtung durch Fachkollegen durchlaufen.

Nach Angaben von Anthropic beauftragten Forscher Claude, eine große DNA-Datenbank nach ungewöhnlichen reversen Transkriptasen zu durchsuchen. Diese Enzyme kopieren RNA in DNA. Rund 950 Sitzungen von KI-Agenten arbeiteten 21 Stunden lang, prüften mehr als 200.000 Enzymsequenzen und reduzierten Tausende mögliche Systeme auf 20 Kandidaten für eine genauere Analyse. Ein Agent bemerkte regelmäßig wiederholte DNA-Stücke neben dem Gen einer reversen Transkriptase und einem zweiten Gen, dessen Protein eine unbekannte Funktion hat.

Die zugrunde liegende reverse Transkriptase tauchte laut Anthropic bereits in früheren Studien auf. Die benachbarten Wiederholungen und das Partnergen erkannte jedoch bislang niemand zusammen als eigenes System. Das Muster ähnelt einem Bestandteil von CRISPR, einem natürlichen Abwehrsystem von Bakterien, aus dem ein Werkzeug zur Genbearbeitung entstand. Diese Ähnlichkeit belegt keine Fähigkeit von ART, Gene zu verändern. Erste Laborversuche zeigen dem Unternehmen zufolge, dass die Wiederholungen mehrere unterschiedliche kurze RNA-Moleküle hervorbringen; die biologische Aufgabe des Systems bleibt offen.

Menschliche Wissenschaftler führten die Laborversuche durch und prüften den rechnergestützten Hinweis, erklärte Anthropic. Reuters und AFP berichteten über die Ankündigung; AFP verwies auf die ausstehende Begutachtung der Vorabveröffentlichung. Feng Zhang, CRISPR-Forscher am MIT und am Broad Institute, bezeichnete die Verbindung zwischen Wiederholungen und reversen Transkriptasen in von Anthropic verbreiteten Äußerungen als interessant und forderte weitere Untersuchungen. Ein medizinischer Nutzen ist damit nicht nachgewiesen.

Das Ergebnis könnte zeigen, wie KI riesige genetische Datensätze sichten und Laborarbeiten gezielter vorbereiten kann. Seine weiterreichende Bedeutung hängt von unabhängiger Prüfung und wiederholbaren Experimenten ab. Anthropic untersucht nach eigenen Angaben nun die Funktionsweise von ART. Solange Forscher seine Aufgabe und eine mögliche Programmierbarkeit nicht klären, beschreibt der Vergleich mit CRISPR lediglich ein genetisches Muster und kein einsetzbares Werkzeug zur Genbearbeitung.

Quellen: Anthropic, Reuters, AFP

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