Astronomen haben im Zentrum einer nahen Galaxie ein Schwarzes Loch aufgespürt, das außergewöhnlich schnell wächst und einen Radioausbruch erzeugt, wie er zuvor nie beobachtet worden ist. Ein internationales Team unter Leitung von Stefanie Komossa vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn berichtete, dass die Galaxie seit mehr als acht Jahren ungewöhnlich hell im Radiobereich leuchtet, eine außergewöhnliche Beständigkeit für ein solches Ereignis.
Die Galaxie mit der Katalogbezeichnung SDSS J110546.07+145202.4 liegt etwa 1,8 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Löwe. Die Forschenden stellten fest, dass sich die Intensität ihrer Radiostrahlung in kurzer Zeit um mehr als das Zwanzigfache erhöht hat und keine Anzeichen einer Abschwächung zeigt, was sie zu einer einzigartig langlebigen Quelle in einer Klasse von Phänomenen macht, die normalerweise rasch verblassen.
Die meisten mit Galaxienzentren verbundenen Radioausbrüche dauern nur Tage oder Wochen, bevor sie verblassen. Diese Quelle hingegen strahlt seit mehreren Jahren hell, was das Team als erstes Objekt seiner Art bezeichnet. Die Kombination aus extremer Helligkeit und bemerkenswerter Langlebigkeit hat es den Astronomen ermöglicht, das Ereignis im Detail zu untersuchen, statt nur einen flüchtigen Blick zu erhaschen.
Durch die Verbindung neuer Beobachtungen mit Archivdaten aus mehreren Jahren kamen die Forschenden zu dem Schluss, dass eine wachsende Menge Materie in das Schwarze Loch fällt. Dieser Zustrom scheint einen hochenergetischen Teilchenstrahl anzutreiben, der aus der unmittelbaren Umgebung des Schwarzen Lochs ausgestoßen wird und im Radiobereich stark strahlt, während er mit seiner Umgebung wechselwirkt.
Die Entdeckung ist bedeutsam, weil die gezeigten Bedingungen jenen ähneln, die im frühen Universum geherrscht haben sollen, als Schwarze Löcher rasch wuchsen und kräftige Jets antrieben. Ein vergleichsweise nahes Beispiel zu untersuchen erlaubt es den Wissenschaftlern, Prozesse zu betrachten, die sonst nur in extrem weit entfernten, lichtschwachen Galaxien sichtbar sind, und öffnet damit gleichsam ein Fenster in den Kosmos, wie er vor Milliarden Jahren war.
Das Team will die Galaxie weiter mit Radioteleskopen beobachten, um zu verfolgen, wie sich der Ausbruch entwickelt und ob er schließlich abklingt. Fortgesetzte Beobachtungen könnten die Modelle verfeinern, wie supermassereiche Schwarze Löcher Masse ansammeln und wie ihre Jets entstehen, Fragen, die im Kern der Bemühungen stehen, die Entwicklung der Galaxien und ihrer zentralen Triebwerke über die kosmische Zeit zu verstehen.
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