Bangladeschs Präsident Mohammed Shahabuddin plant für Freitag seinen Rücktritt, berichteten drei Quellen der Nachrichtenagentur Reuters. Damit beginnt eine neue politische Übergangsphase, während die angekündigte Rückkehr der gestürzten früheren Regierungschefin Sheikh Hasina aus dem Exil den Druck im Land erhöht. Zwei Quellen erklärten, der 76-jährige Präsident habe Premierminister Tarique Rahman informiert; laut einer Quelle erhielt Rahman die Mitteilung am Dienstag, die formelle Bekanntgabe sei für Freitag vorgesehen.
Der Rücktritt käme in der Mitte von Shahabuddins fünfjähriger Amtszeit. Er trat das Amt 2023 ohne Gegenkandidaten als Bewerber von Hasinas Awami League an, die inzwischen verboten ist. Der Präsident fungiert zwar als Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte, doch das Amt besitzt überwiegend zeremonielle Bedeutung. Die ausführende Gewalt liegt beim Premierminister und dem Kabinett des mehrheitlich muslimischen Landes mit rund 173 Millionen Einwohnern.
Shahabuddins Stellung gewann an politischer Bedeutung, nachdem ein von Studierenden angeführter Aufstand Hasina im August 2024 zur Flucht nach Neu-Delhi zwang. Bangladeschs Kriegsverbrechertribunal verurteilte sie im vergangenen November in Abwesenheit zum Tode, weil sie die Niederschlagung des Aufstands angeordnet haben soll; dabei starben fast 1.400 Menschen. Hasina bestreitet die Vorwürfe und erklärte Reuters diesen Monat, sie und führende Parteimitglieder planten ungefähr im Dezember die Rückkehr aus Indien und wollten sich stellen.
Die Nachricht über diese Rückkehr verstärkt den öffentlichen Druck auf Rahmans neue Regierung, verbliebene Verbündete Hasinas aus hohen Ämtern zu entfernen. Rahman kam nach der Wahl im Februar an die Macht. Shahabuddin hatte Reuters bereits im Dezember mitgeteilt, dass er nach dieser Abstimmung zurücktreten wolle. Der geplante Schritt folgt somit einer früheren Zusage, doch der Zeitpunkt verbindet ihn unmittelbar mit der erneuten Prüfung von Hasinas Einfluss und der früheren Regierungspartei.
Als Reuters berichtete, lag keine öffentliche Bestätigung der wichtigsten Beteiligten vor. Shahabuddin reagierte nicht auf wiederholte Anrufe und Nachrichten, Rahmans Sprecher beantworteten Anfragen zunächst ebenfalls nicht. Alle drei Quellen verlangten wegen der politischen Sensibilität Anonymität. Die für Freitag erwartete formelle Erklärung bildet deshalb den nächsten entscheidenden Punkt, um den Rücktritt, den Beginn des Übergangs und dessen zeitlichen Ablauf offiziell zu bestätigen.
Parlamentspräsident Hafiz Uddin Ahmad könnte nach Angaben der Quellen vorübergehend das Präsidentenamt übernehmen, bevor das Parlament einen dauerhaften Nachfolger wählt. Diese Lösung würde Kontinuität in dem hauptsächlich zeremoniellen Amt sichern, während die Regierung die politischen Folgen von Hasinas erwarteter Rückkehr bewältigt. Im Mittelpunkt stehen nun die offizielle Rücktrittserklärung, die vorläufige Nachfolge und schließlich die Wahl des nächsten Präsidenten Bangladeschs.
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