Brent-Rohöl schloss am Mittwoch, dem 9. September, über 100 Dollar je Barrel, nachdem Angriffe der USA und Irans auf Öltanker die Sorge um Lieferungen aus dem Nahen Osten und die globale Inflation verstärkt hatten. Reuters zufolge stieg der vordere Brent-Kontrakt um 3,29 Dollar oder 3,4 Prozent auf 101,21 Dollar, nachdem er 101,58 Dollar erreicht hatte. US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate legte um 3,02 Dollar oder 3,25 Prozent auf 96,05 Dollar zu. Beide Referenzsorten verzeichneten ihren höchsten Schlussstand seit dem 22. Mai; Brent beendete erstmals seit einem einzelnen Handelstag Ende Juli eine Sitzung über 100 Dollar.
Der Anstieg folgte auf die laut Reuters größte erklärte Welle gegenseitiger Angriffe auf die Schifffahrt seit Beginn des sechsmonatigen Konflikts. Das US-Militär erklärte, es habe fünf iranische Öltanker zerstört, nachdem die Revolutionsgarden ein US-Kriegsschiff zweimal mit ballistischen Raketen angegriffen hatten. Iran gab anschließend Schüsse auf zwei US-Schiffe und acht Tanker sowie Raketen auf einen von US-Truppen genutzten Stützpunkt in Jordanien bekannt. Der Charterer Peninsula meldete einen getöteten Seemann und einen Vermissten, nachdem der Produktentanker Hercules Star vor Dubai am Ankerplatz getroffen worden war.
Die Straße von Hormus bleibt das zentrale Angebotsrisiko, weil vor dem Krieg etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasversorgung diese Wasserstraße passierte. Vorläufige Kpler-Daten, die Reuters anführte, zeigten am Dienstag sechs durchfahrende Rohstoffschiffe, nach neun am Vortag und gegenüber einem Zehntagesdurchschnitt von etwa zwölf. Rystad Energy schätzte, dass die Ölströme unter 2 Millionen Barrel täglich gefallen seien; in der Woche vor der Wiederaufnahme der Kämpfe am 30. August hatten sie 8 bis 9 Millionen erreicht. Angriffe auf saudische Anlagen und die Schifffahrt im Roten Meer belasten außerdem eine wichtige Ausweichroute.
Die Terminpreise holen damit zu einem bereits knappen physischen Markt auf. Reuters berichtete, dass Dated Brent, eine Preisreferenz für etwa zwei Drittel des weltweiten Ölangebots, seit dem 3. September über 100 Dollar liegt. Die US-Energieinformationsbehörde hob laut S&P Global ihre durchschnittliche Brent-Prognose für 2026 wegen geringerer Exporte aus dem Nahen Osten von 87 auf 91 Dollar je Barrel an. S&P Globals Schifffahrtsdaten zeigten außerdem, dass die Exporte schwefelreichen Rohöls aus dem Golf im zweiten Quartal durchschnittlich 5,88 Millionen Barrel täglich erreichten, 65 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Verbraucher und Unternehmen tragen die höheren Kosten bereits. AP berichtete unter Berufung auf AAA, dass reguläres US-Benzin am Mittwoch durchschnittlich 4,22 Dollar je Gallone kostete, fast 42 Prozent mehr als die 2,98 Dollar vor dem Krieg. Diesel markierte mit 5,94 Dollar einen nominalen Rekord und lag fast 58 Prozent höher. Diesel treibt Lastwagen, Landmaschinen und Schiffe an, sodass Preisanstiege Lebensmittel, Pakete und Industriewaren verteuern können. Importabhängige Volkswirtschaften in Asien und Afrika reagieren besonders empfindlich auf geringere Golf-Lieferungen sowie höhere Fracht- und Versicherungskosten.
Der Schock erfasste auch die Finanzmärkte. AP zufolge verlor der S&P 500 0,5 Prozent, der Dow Jones Industrial Average 0,8 Prozent und der Nasdaq Composite 0,6 Prozent; Energieaktien legten zu, während die meisten anderen Branchen nachgaben. Die Dauer der Störung bildet nun die größte Unsicherheit: Ein kurzer Sprung über 100 Dollar hätte geringere Langzeitfolgen, doch anhaltende Beschränkungen in Hormus könnten Kraftstoff teuer halten, den Inflationsdruck stärken und Zinsentscheidungen erschweren. Händler beobachten den Tankerverkehr, weitere Militäraktionen und neue diplomatische Initiativen auf Hinweise für eine Entspannung des Angebots.
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