Der menschengemachte Klimawandel hat die Wahrscheinlichkeit jener heißen und trockenen Bedingungen, die in diesem Sommer große Brände in Kanadas Nordwest-Territorien und im Nordwesten Ontarios begünstigten, ungefähr verdoppelt. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Schnellanalyse von World Weather Attribution hervor. Die Ergebnisse lenken den Blick über die reine Zündursache hinaus auf das Wetter, das Flammen in riesigen nördlichen Landschaften verstärkte, rasch ausbreitete und die Bekämpfung erschwerte.
Die Forschenden verglichen die beobachteten Feuerbedingungen mit Simulationen eines kühleren vorindustriellen Klimas. Ihre Analyse ergab, dass die vor allem durch Kohle, Öl und Gas verursachte Erwärmung vergleichbare Verhältnisse etwa doppelt so wahrscheinlich machte. Die internationale Forschungsgruppe untersucht den Einfluss des Klimawandels auf Wahrscheinlichkeit und Stärke extremer Ereignisse. Ihre schnellen Bewertungen erscheinen allerdings vor dem langsameren formellen Verfahren wissenschaftlicher Begutachtung.
In den untersuchten Bränden der Nordwest-Territorien verbrannten mehr als 12.950 Quadratkilometer oder 5.000 Quadratmeilen. Nach Angaben des Teams lösten Blitze die wichtigsten Feuer aus, während Hitze und Trockenheit ein zu intensives und schnelles Wachstum für eine erfolgreiche Kontrolle förderten. Jonathan Boucher vom kanadischen Forstdienst erklärte, die Belege sprächen stärker für ein klimabedingtes Problem als allein für mangelhafte Waldbewirtschaftung.
Die Analyse erfasste auch den Nordwesten Ontarios, wo ungewöhnlich günstige Brandbedingungen herrschten. Der nicht beteiligte kanadische Feuerforscher Mike Flannigan erklärte der Associated Press, dass Blitzfeuer mehr als 90 Prozent der landesweit verbrannten Fläche verursachen, obwohl Menschen ungefähr die Hälfte aller kanadischen Waldbrände entzünden. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil abgelegene Blitzfeuer weit entfernt von Straßen und Einsatzstützpunkten wachsen können.
Der Rauch überquerte Provinz- und Staatsgrenzen und verschlechterte die Luftqualität in kanadischen und amerikanischen Städten einschließlich New York. Die Ergebnisse treffen auf politische Kritik von US-Präsident Donald Trump, der Kanadas Forstmanagement verantwortlich machte und Strafmaßnahmen erwog. Kanadische und unabhängige Fachleute entgegneten, Bewirtschaftung könne lokale Gefahren beeinflussen, aber den umfassenden erwärmenden und austrocknenden Effekt der Treibhausgasemissionen nicht beseitigen.
Kanadas Regierung hatte vor der Saison in fast allen Regionen überdurchschnittliche Sommertemperaturen erwartet und vor häufigeren sowie intensiveren extremen Feuerbedingungen durch den Klimawandel gewarnt. Die neue Analyse sagt keine konkrete Zahl zusätzlicher Brände voraus, zeigt aber einen leichteren Weg zu gefährlichen Ausgangsbedingungen. Den Forschenden zufolge erfordert eine Begrenzung künftiger Schäden sowohl bessere Vorsorge in Gemeinden und Wäldern als auch dauerhafte Kürzungen der wärmespeichernden Emissionen.
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