Widersprüchliche Gerichtsbeschlüsse lassen Missouris Kongresswahlkarte acht Wochen vor den Zwischenwahlen am 3. November offen. Der Oberste Gerichtshof der USA lehnte am Dienstag die Wiederherstellung einer von Republikanern beschlossenen und von Präsident Donald Trump unterstützten Karte ab. Minuten später untersagte ein Bundesrichter dem Bundesstaat jedoch vorläufig die Nutzung jener älteren Wahlkreise, deren Rückkehr Missouris höchstes Gericht angeordnet hatte.
Richter Brett Kavanaugh wies Missouris Eilantrag ohne Begründung und ohne Weiterleitung an das gesamte Gericht zurück, berichtete Reuters. Damit blieb ein einstimmiges Urteil des Obersten Gerichts von Missouri vom 3. September bestehen: Die neue Karte darf erst gelten, wenn die Wähler sie in einem landesweiten Referendum billigen. Das Staatsgericht erklärte die Bürgerpetition für diese Abstimmung für rechtmäßig, ausreichend und fristgerecht.
Bundesrichter Stephen Clark erließ anschließend in einem getrennten Verfahren eine auf 14 Tage begrenzte einstweilige Verfügung, die vorerst die neuen Wahlkreise verlangt. Nach Angaben der Associated Press sah Clark bei einem Kartenwechsel nach der Nominierung der Kandidaten unter den neuen Grenzen Risiken für Fairness und geordnete Durchführung der Wahl. Die Gegner kündigten umgehend eine Berufung beim Bundesberufungsgericht des achten Bezirks an.
Das republikanisch geführte Parlament beschloss die neuen Grenzen 2025, nachdem Trump republikanisch regierte Staaten vor den Zwischenwahlen zu neuen Zuschnitten aufgefordert hatte. Der Plan veränderte den in Kansas City gelegenen fünften Bezirk des demokratischen Abgeordneten Emanuel Cleaver. Teile der Stadt gingen an republikanisch vertretene Bezirke, während der Rest weit in republikanisch geprägte ländliche Gebiete reichte. Laut AP waren etwa 59 Prozent der Wähler im neu zugeschnittenen Bezirk dort zuvor nicht registriert.
Der Streit begann, nachdem die Gruppe People Not Politicians mehr als 300.000 Unterschriften für ein Referendum vor dem geplanten Inkrafttreten eingereicht hatte. Der republikanische Staatssekretär Denny Hoskins lehnte die Petition am Tag der August-Vorwahl mit der Begründung ab, Kongresswahlkreise unterlägen keinem Referendum. Missouris höchstes Gericht hob diese Entscheidung auf und erklärte die Karte von 2022 zur einzigen rechtswirksamen Karte; Hoskins setzte die Frage danach als Proposition A auf den November-Stimmzettel.
Wahlbehörden stehen nun vor gegensätzlichen Anweisungen und nahen Fristen. Missouri muss laut AP nach Bundesrecht bis zum 19. September mit dem Versand von Briefwahlunterlagen an Militärangehörige und Auslandswähler beginnen, obwohl die Vorwahlen im August bereits unter den neuen Grenzen stattfanden. Republikaner halten sechs der acht Sitze Missouris im US-Repräsentantenhaus, und der umstrittene Plan könnte ihre Chance auf einen siebten erhöhen; die nächste Berufungsentscheidung kann daher sowohl Wahlkreiszuordnungen als auch den Kampf um die knappe Mehrheit im Repräsentantenhaus beeinflussen.
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