Ein stärker werdender El Niño erhöht zusammen mit der langfristigen, menschengemachten Erwärmung die Möglichkeit, dass 2026 das bisherige Rekordjahr 2024 erreicht oder übertrifft. Das erklärten Klimaforscher in einer am 5. August veröffentlichten Analyse der Associated Press. Bislang liegt 2026 zwar nur an dritter Stelle hinter 2024 und 2025, doch ungewöhnlich warme Meere könnten die globale Lufttemperatur bald deutlich anheben.
Der Berkeley-Earth-Klimaforscher Zeke Hausfather schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass 2026 das Jahr 2024 überholt, inzwischen auf 35 Prozent; im März lag seine Schätzung noch bei 7 Prozent. Der frühere NASA-Klimaforscher James Hansen erwartet für 2026 einen neuen Höchststand. Über die endgültige Rangfolge dieses Jahres gehen die Einschätzungen auseinander, doch laut AP herrscht breite Übereinstimmung, dass 2027 mit dem Höhepunkt des El-Niño-Einflusses sehr wahrscheinlich das heißeste Jahr der modernen Messreihe sein wird.
Die Bedingungen in den Ozeanen bilden den Kern des veränderten Ausblicks. Die täglichen globalen Meeresoberflächentemperaturen erreichten ab Mai das Niveau von 2024 und lagen seit Juni an fast jedem Tag auf Rekordhöhe, wie von AP angeführte Daten zeigen. Copernicus schätzt, dass etwa 82 Prozent der weltweiten Meeresfläche in diesem Jahr eine marine Hitzewelle erlebt haben. Da die Ozeane mehr als 70 Prozent der Erde bedecken, zeigt sich ihre Wärme laut Hansen meist erst nach ungefähr sechs Wochen vollständig in den globalen Mittelwerten der Lufttemperatur.
Das Klimavorhersagezentrum der NOAA erklärte am 9. Juli, El Niño verstärke sich und werde mit 97-prozentiger Wahrscheinlichkeit bis zum frühen Frühjahr 2027 anhalten. Für Oktober bis Dezember sieht die Behörde eine Wahrscheinlichkeit von 81 Prozent für einen sehr starken Zustand, der zu den größten Ereignissen seit Beginn der Aufzeichnungen 1950 zählen würde. Das experimentelle SPEAR-System der NOAA lieferte zudem in allen 30 Modellläufen einen Höhepunkt, der mit den stärksten El-Niño-Ereignissen des vergangenen Jahrhunderts konkurriert. Regionale Folgen bleiben dennoch unsicher.
Die Fachleute betonten, El Niño sei nicht der Hauptgrund für die zerstörerische Hitze, Brände und andere Extreme, die 2026 bereits auftraten. Climate-Central-Forscher Zachary Labe führte die grundlegende Erwärmung vor allem auf Treibhausgase aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas zurück. El Niño dürfte zu diesem langfristigen Trend etwa 0,1 bis 0,2 Grad Celsius hinzufügen. Der Wärmeinhalt der Ozeane als wichtiges Maß für die angesammelte Erwärmung des Planeten erreicht weiterhin neue Rekorde.
Die Analyse erscheint, während Hitzewellen Europa, Nordamerika, Südamerika und Indien erfassen und auf beiden Seiten des Atlantiks Waldbrände lodern. Copernicus-Vertreterin Samantha Burgess bezeichnete Häufigkeit und räumliche Ausdehnung der europäischen Hitzewellen als besonders ungewöhnlich. Die NOAA plant ihre nächste formelle El-Niño-Diagnose für den 13. August; neue Beobachtungen sollen dann Stärke und wahrscheinliche Auswirkungen bis Anfang 2027 genauer bestimmen.
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