Zurück zur Startseite H5N1-Vogelgrippe verursacht erstes bestätigtes Wildtiersterben in der Antarktis Umwelt

H5N1-Vogelgrippe verursacht erstes bestätigtes Wildtiersterben in der Antarktis

Veröffentlicht am 14. Februar 2026 848 Aufrufe

Das hochpathogene H5N1-Vogelgrippevirus ist als Ursache des ersten dokumentierten Wildtiersterbens auf dem antarktischen Kontinent bestätigt worden und tötete in den Sommern 2023 und 2024 mehr als 50 Südpolarskuas, wie eine diese Woche in der Nature-Zeitschrift Scientific Reports veröffentlichte Studie zeigt. Die Forschung, geleitet von Teams des Erasmus MC in den Niederlanden und der University of California, Davis, wies das Virus an drei Standorten auf der Antarktischen Halbinsel nach, darunter Hope Bay, Devil Island und Beak Island, wo ein Massensterben auftrat. Die Ergebnisse bestätigen, dass die verheerende H5N1-Panzootie, die weltweit bereits Hunderte Millionen Vögel getötet hat, nun den letzten unberührten Kontinent der Erde erreicht hat.

Die Expedition untersuchte im März 2024 zehn Standorte auf den Südlichen Shetlandinseln, im nördlichen Weddellmeer und auf der Antarktischen Halbinsel. Infizierte Skuas zeigten schwere neurologische Symptome wie verdrehte Hälse, abnormale Streckbewegungen und kreisförmiges Gehen oder Schwimmen, wobei einige Vögel blind taumelten oder vom Himmel fielen. Die Forscher führten Obduktionen an Eselspinguinen, Adeliepinguinen und Antarktischen Seebären durch, die an denselben Standorten tot aufgefunden worden waren, doch H5N1 ließ sich bei diesen Arten nicht als Todesursache bestätigen.

Skuas sind räuberische Seevögel und Aasfresser, die eine entscheidende ökologische Rolle in den antarktischen Nahrungsnetzen spielen, indem sie Kadaver beseitigen, aber genau dieses Verhalten macht sie besonders anfällig für die Ansteckung und Verbreitung von H5N1. Das Virus ist 1996 erstmals auf einer Hausgänsefarm in Südostchina identifiziert worden und breitete sich unkontrolliert über die globale Geflügelindustrie aus, bevor es auf Wildvögel übersprang und nacheinander Europa, den Nahen Osten, Afrika, Nord- und Südamerika und schließlich Anfang 2024 die Antarktis erreichte.

Der korrespondierende Seniorautor Thijs Kuiken, Professor am Erasmus MC, warnte, dass alles auf eine weitere Ausbreitung des Virus hindeute und dass die Wissenschaft ohne aktive Überwachung das tatsächliche Ausmaß der Schäden nicht erfassen werde. Er betonte, dass das Virus vor Jahrzehnten bei seinem ersten Auftreten in der Geflügelindustrie nicht eingedämmt worden sei und die Folgen nun in den entlegensten Ökosystemen der Erde spürbar seien. Die Studie betont, dass dringend aktuelle Populationserhebungen für Südpolarskuas erforderlich sind, da die letzte umfassende Zählung in den 1980er Jahren durchgeführt worden ist.

Die Ankunft von H5N1 in der Antarktis erweitert die wachsende Liste von Bedrohungen für die empfindlichen Ökosysteme des Kontinents, zu denen bereits Klimawandel, zunehmender Tourismus, invasive Arten, Überfischung und Verschmutzung zählen. Die Forscher fordern verstärkte Überwachungsprogramme und internationale Koordination, um die Ausbreitung des Virus unter der antarktischen Tierwelt zu verfolgen. Die Studie erinnert daran, dass weltweit etwa 1.000 Menschen mit H5N1 infiziert worden sind, bei einer Sterblichkeitsrate von rund 50 Prozent.

Quellen: Phys.org, ScienceDaily, UC Davis, CIDRAP, Nature Scientific Reports, Science.org

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