Zurück zur Startseite NYT enthüllt Hintergründe von Trumps Entscheidung zum Angriff auf den Iran - Rubio wies Netanjahus Plan zurück Politik

NYT enthüllt Hintergründe von Trumps Entscheidung zum Angriff auf den Iran - Rubio wies Netanjahus Plan zurück

Veröffentlicht am 9. April 2026 906 Aufrufe

Die New York Times hat eine umfassende Untersuchung der Reporter Maggie Haberman und Jonathan Swan veröffentlicht, die die dramatischen Beratungen hinter den Kulissen im Lagezentrum des Weißen Hauses in den Wochen vor dem Start der Militärschläge von Präsident Donald Trump gegen den Iran am 28. Februar offenlegt. Der Bericht, der vermutlich auf ihrem kommenden Buch über Trumps Entscheidungsfindung während seiner zweiten Amtszeit basiert, zeichnet das Bild einer Regierung, die tief gespalten war über Umfang und Zweck der Militärkampagne, wobei mehrere von Trumps engsten Beratern ernsthafte Vorbehalte äußerten.

In einer entscheidenden Sitzung, die in der Untersuchung beschrieben wird, präsentierte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu Trump und seinem Team einen direkten Vorschlag für einen vollständigen Regimewechsel im Iran. Netanjahu trat zusammen mit israelischen Militärführern auf, die auf Fernsehbildschirmen im Lagezentrum zugeschaltet waren, und stellte einen ehrgeizigen Plan zum Sturz der iranischen Regierung vor. An der Präsentation nahmen die Stabschefin Susie Wiles, Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth, General Dan Caine als Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs, CIA-Direktor John Ratcliffe, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Sondergesandter Steve Witkoff teil.

Am Tag nach Netanjahus Präsentation veränderte sich die Stimmung im Weißen Haus grundlegend. CIA-Direktor John Ratcliffe erklärte in einer Folgesitzung, an der auch Trump teilnahm, dass Netanjahus Vorschlag zum Regimewechsel geradezu lachhaft sei. Außenminister Marco Rubio fasste die allgemeine Einschätzung daraufhin in deutliche Worte und bezeichnete Netanjahus großen Plan als völligen Unsinn, wobei er einen derben Ausdruck verwendete, um seine Verachtung für den Vorschlag zu unterstreichen. Dieser Moment verdeutlichte die tiefe Skepsis unter hochrangigen amerikanischen Beamten gegenüber Israels maximalistischen Kriegszielen.

Trotz dieses internen Widerstands gegen den Rahmen eines Regimewechsels ordnete Trump letztlich die Angriffe auf den Iran an. Vizepräsident JD Vance erwies sich als die vorsichtigste Stimme in Trumps engstem Kreis und warnte davor, dass militärisches Handeln im gesamten Nahen Osten und darüber hinaus Chaos auslösen werde. Vances Skepsis stach in einer Regierung hervor, in der die Befürworter einer harten Linie gegenüber dem Iran lange die Oberhand hatten, und seine Warnungen vor den unvorhersehbaren Folgen des Krieges haben in den vergangenen Wochen zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Die Enthüllungen haben auch ein Schlaglicht auf die komplizierten politischen Dynamiken rund um die Kriegsentscheidung geworfen. Rubio selbst bereitete der Regierung erhebliche Schwierigkeiten, als er gegenüber Journalisten erklärte, Trump habe den Angriff auf den Iran wegen Israel beschlossen. Diese Aussage widersprach der offiziellen Darstellung, wonach die Angriffe eine direkte Reaktion auf iranische Bedrohungen amerikanischer Interessen gewesen seien. Der Fehltritt zwang das Kommunikationsteam des Weißen Hauses in den Krisenmodus und offenbarte die Spannungen zwischen der öffentlichen Kriegsbegründung und den tatsächlichen internen Überlegungen.

Seit Beginn der Angriffe haben mehrere der prominentesten Figuren in Trumps Umfeld versucht, sich von der Entscheidung zu distanzieren. Hochrangige Beamte wie Vance, Rubio und Wiles haben Schritte unternommen, um ihre Vorbehalte gegenüber dem Krieg zu signalisieren. Dieses Muster deutet auf wachsende Besorgnis innerhalb der Regierung über die politischen und strategischen Folgen des Konflikts hin. Die Distanzierungsversuche sind besonders bemerkenswert, da diese Beamten bei den entscheidenden Sitzungen anwesend waren und aktiv daran teilnahmen.

Die Untersuchung der New York Times erscheint zu einem besonders heiklen Zeitpunkt, da gerade eine zweiwöchige Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien vereinbart worden ist. Die Kampfpause bietet eine kurze Atempause, hat aber wenig zur Lösung der grundlegenden Spannungen beigetragen, die zum Konflikt führten. Rubio hat sich trotz der Kontroverse als unerwarteter politischer Star von Trumps zweiter Amtszeit erwiesen, wobei Beobachter seine Bereitschaft hervorheben, auch dann offen zu sprechen, wenn dies der Regierung Probleme bereitet.

Quellen: New York Times, Poynter, The Hill, Times of Israel, The New Republic, Slate

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