Die globalen Ölmärkte stehen am 20. Juni vor erneuten Turbulenzen, nachdem Iran die Straße von Hormus als Reaktion auf israelische Luftangriffe auf den Libanon für geschlossen erklärt hat, die den von den USA vermittelten Waffenstillstand verletzten. Die dramatische Ankündigung hat neue Unsicherheit in die Energiemärkte gebracht, die sich nach der Unterzeichnung des US-iranischen Friedensabkommens in Genf gerade erst beruhigt hatten.
Die Straße von Hormus ist der weltweit wichtigste Engpass für den Öltransport, eine enge Wasserstraße zwischen Iran und Oman, durch die täglich rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung fließen. Jede anhaltende Störung des Schiffsverkehrs durch die Meerenge hätte unmittelbare und schwerwiegende Auswirkungen auf die Rohölpreise weltweit. Energiehändler und Analysten beobachten die Lage aufmerksam, wobei die Terminmärkte erhöhte Volatilität zeigen.
Die Schließungsdrohung erfolgt nur wenige Tage nach der Unterzeichnung des US-iranischen Memorandums in Genf, das die Ölpreise zunächst fallen ließ, da die Märkte die Aussicht auf reduzierte Spannungen in der Persischen-Golf-Region begrüßten. Irans Ankündigung droht diese Gewinne vollständig umzukehren und die Rohölpreise deutlich in die Höhe zu treiben, falls die Konfrontation andauert.
Das US Central Command hat Irans Behauptung bestritten, dass die Meerenge geschlossen sei, und erklärt, der kommerzielle Schiffsverkehr habe am Samstag im Vergleich zum Vortag sogar zugenommen. Vizepräsident JD Vance versicherte öffentlich, die Straße von Hormus bleibe offen und betriebsbereit. Die widersprüchlichen Darstellungen aus Washington und Teheran schaffen jedoch zusätzliche Unsicherheit für Reedereien und Ölhändler.
Die Versicherungskosten für Tanker in der Persischen-Golf-Region dürften in den kommenden Tagen unabhängig davon stark steigen, ob die Meerenge tatsächlich gesperrt ist. Kriegsrisikoprämien bei Schiffsversicherungen steigen in Zeiten erhöhter Spannungen in der Region typischerweise sprunghaft an und verteuern jedes durch die Wasserstraße transportierte Barrel Öl erheblich. Diese erhöhten Kosten erreichen letztlich die Verbraucher über höhere Kraftstoffpreise an den Tankstellen.
Die Konfrontation erschwert auch die laufenden diplomatischen Bemühungen um ein umfassendes Friedensabkommen zwischen den USA und Iran. Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner befinden sich Berichten zufolge für weitere Verhandlungen in der Schweiz, doch die israelischen Angriffe auf den Libanon haben eine Drittpartei-Dynamik eingeführt, die weder Washington noch Teheran vollständig kontrollieren.
Energieexperten weisen darauf hin, dass selbst eine vorübergehende Störung des Verkehrs durch die Straße von Hormus Welleneffekte in globalen Lieferketten auslösen kann. Asiatische Länder mit starker Abhängigkeit von Ölimporten aus dem Persischen Golf, darunter China, Japan und Südkorea, wären bei jeder längeren Schließung besonders verwundbar.
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