Zurück zur Startseite Südkoreas ehemaliger Präsident Yoon Suk Yeol zu lebenslanger Haft wegen Aufstand verurteilt Politik

Südkoreas ehemaliger Präsident Yoon Suk Yeol zu lebenslanger Haft wegen Aufstand verurteilt

Veröffentlicht am 19. Februar 2026 733 Aufrufe

Ein Gericht in Seoul hat den ehemaligen südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol am Mittwoch zu lebenslanger Haft verurteilt, nachdem es ihn für schuldig befunden hat, durch die Verhängung des Kriegsrechts im Dezember 2024 einen Aufstand angeführt zu haben. Richter Jee Kui-youn vom Zentralgericht Seoul stellte fest, dass Yoon Militär- und Polizeikräfte in einem illegalen Versuch mobilisiert hatte, die von der liberalen Opposition geführte Nationalversammlung zu besetzen, Abgeordnete festzunehmen und eine unkontrollierte Machtstellung zu errichten. Das Urteil stellt die erste Verurteilung eines ehemaligen Staatsoberhaupts wegen Rebellion in Südkorea seit drei Jahrzehnten dar.

Der Fall geht auf Yoons dramatische nächtliche Fernsehansprache am 3. Dezember 2024 zurück, in der er das Kriegsrecht ausrief und Abgeordnete der Opposition beschuldigte, staatsfeindliche Aktivitäten zu betreiben und mit nordkoreanischen Sympathisanten zusammenzuarbeiten. Bewaffnete Soldaten landeten per Hubschrauber am Gebäude der Nationalversammlung und versuchten, den Plenarsaal zu stürmen, in dem sich die Abgeordneten versammelt hatten. Dennoch gelang es 190 der 300 Mitglieder der Nationalversammlung, das Gebäude zu erreichen und einstimmig für die Aufhebung des Dekrets zu stimmen, wodurch Yoon gezwungen war, das Kriegsrecht etwa sechs Stunden nach seiner Verhängung aufzuheben.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Todesstrafe für Yoon gefordert und argumentiert, seine Ausrufung des Kriegsrechts habe eine existenzielle Bedrohung für die südkoreanische Demokratie dargestellt und die schärfste gesetzlich vorgesehene Strafe gerechtfertigt. Das Gericht lehnte die Todesstrafe letztlich zugunsten der lebenslangen Freiheitsstrafe ab, wobei Richter Jee betonte, dass Yoons Handlungen die verfassungsmäßige Ordnung einer der lebendigsten Demokratien Asiens grundlegend beschädigt hätten. Der 65-jährige Yoon hatte seine Maßnahmen als notwendige Schritte zum Schutz der Nation vor staatsfeindlichen Kräften in der Opposition verteidigt.

Mehrere Mitangeklagte erhielten neben Yoon erhebliche Haftstrafen. Der ehemalige Verteidigungsminister Kim Yong Hyun, der eine zentrale Rolle bei der Planung und Durchführung der Militärmobilisierung spielte, erhielt eine Strafe von 30 Jahren. Der ehemalige Premierminister Han Duck-soo erhielt 23 Jahre für seinen Anteil am Versuch, das Kriegsrechtsdekret zu legitimieren, für Urkundenfälschung und Meineid. Han hat angekündigt, Berufung einzulegen. Yoon selbst steht eine zusätzliche fünfjährige Strafe aus einer gesonderten Verurteilung wegen Widerstands gegen seine Festnahme und Dokumentenfälschung bevor.

Yoons Sturz vollzog sich nach dem gescheiterten Kriegsrechtsversuch in rasantem Tempo. Er verlor seine präsidialen Befugnisse am 14. Dezember 2024 und das Verfassungsgericht enthob ihn im April 2025 offiziell seines Amtes. Seine Verhaftung erfolgte im Juli 2025, gefolgt von monatelangen Gerichtsverfahren, die in der lebenslangen Haftstrafe gipfelten. Anhänger und Gegner des ehemaligen Präsidenten versammelten sich am Tag der Urteilsverkündung vor dem Zentralgericht Seoul.

Das Urteil hat tiefgreifende Auswirkungen auf die südkoreanische Politik und die umfassendere Frage demokratischer Rechenschaftspflicht in der Region. Rechtsexperten merkten an, dass die Schwere von Yoons Verurteilung die Entschlossenheit der Justiz widerspiegelt, Bedrohungen der demokratischen Ordnung mit aller Härte zu begegnen. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Yoon Berufung gegen das Urteil einlegen wird, und der Fall dürfte die südkoreanische Politik noch jahrelang prägen.

Quellen: BBC News, CNN, NPR, CNBC, The Washington Post, NBC News

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