Forscher der Stanford University haben einen entscheidenden molekularen Mechanismus aufgedeckt, der erklärt, wie die Alzheimer-Krankheit Erinnerungen zerstört. Sie zeigen, dass sowohl Amyloid-Beta als auch Gehirnentzündungen auf einen einzigen Rezeptor konvergieren, der Neuronen signalisiert, ihre eigenen Verbindungen zu beschneiden. Die bahnbrechende Entdeckung, veröffentlicht in den Proceedings of the National Academy of Sciences, bietet ein vielversprechendes neues Ziel für die Behandlung.
Die von Carla Shatz, Sapp Family Provostial Professorin am Wu Tsai Neurosciences Institute, geleitete Studie identifizierte den LilrB2-Rezeptor als gemeinsamen Weg, über den sowohl Amyloid-Beta-Plaques als auch Entzündungsmoleküle den Gedächtnisverlust auslösen. Die Forscherin Barbara Brott entdeckte, dass das Komplementkaskaden-Protein C4d, von dem man bisher annahm, es hätte keine Funktion, mit hoher Affinität an diesen Rezeptor bindet und aktiv Synapsen von Neuronen entfernt.
In Experimenten, bei denen C4d in gesunde Mäusegehirne injiziert wurde, verursachte das Protein einen dramatischen Synapsenverlust, was demonstriert, dass Neuronen keine passiven Opfer des Alzheimer-Fortschreitens sind. Shatz betonte diese Erkenntnis und erklärte, dass Neuronen aktive Teilnehmer an ihrer eigenen Zerstörung sind und keine unschuldigen Zuschauer, die von externen Kräften angegriffen werden.
Die Entdeckung stellt aktuelle Behandlungsansätze in Frage, die sich hauptsächlich auf das Aufbrechen von Amyloid-Plaques konzentrieren. Shatz bemerkte, dass bestehende von der FDA zugelassene Alzheimer-Medikamente, die auf Plaques abzielen, eine begrenzte Wirksamkeit gezeigt haben und erhebliche Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Hirnblutungen mit sich bringen. Die neue Forschung legt nahe, dass das direkte Angreifen von Rezeptoren wie LilrB2 zum Schutz von Synapsen weitaus wirksamer sein könnte.
Dieser Durchbruch hat bedeutende Auswirkungen für die mehr als 55 Millionen Menschen weltweit, die mit Demenz leben, von denen die Mehrheit an Alzheimer leidet. Durch die Identifizierung des molekularen Schalters, der das Synapsenbeschneiden auslöst, haben Forscher einen neuen Weg eröffnet, Therapien zu entwickeln, die das Gedächtnis bewahren könnten.
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