Zurück zur Startseite WHO-Studien bestätigen Wirksamkeit von GLP-1-Medikamenten, warnen aber vor Sicherheits- und Gerechtigkeitslücken Gesundheit

WHO-Studien bestätigen Wirksamkeit von GLP-1-Medikamenten, warnen aber vor Sicherheits- und Gerechtigkeitslücken

Veröffentlicht am 12. Februar 2026 737 Aufrufe

Drei umfangreiche Cochrane-Reviews im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation haben ergeben, dass GLP-1-Rezeptoragonisten wie Tirzepatid, Semaglutid und Liraglutid bei Menschen mit Adipositas einen erheblichen Gewichtsverlust bewirken können, die Ergebnisse sind jedoch mit bedeutenden Vorbehalten hinsichtlich der Langzeitsicherheit, des Industrieeinflusses und des weltweiten Zugangs verbunden. Die Reviews unter der gemeinsamen Leitung von Juan Franco von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Eva Madrid von der Universidad de Valparaíso in Chile stellen die bislang umfassendste unabhängige Bewertung dieser Medikamentenklasse dar, die die Adipositasbehandlung weltweit verändert hat.

Tirzepatid, vermarktet als Mounjaro und Zepbound, zeigte die stärksten Ergebnisse mit einer durchschnittlichen Reduzierung des Körpergewichts um 16 Prozent über 12 bis 18 Monate, basierend auf Daten aus acht randomisierten kontrollierten Studien mit 6.361 Teilnehmern. Die Effekte scheinen potenziell bis zu 3,5 Jahre anhaltend zu sein. Semaglutid, unter den Markennamen Ozempic, Wegovy und Rybelsus vertrieben, erzielte eine durchschnittliche Reduzierung von 11 Prozent über 24 bis 68 Wochen in 18 Studien mit 27.949 Teilnehmern, wobei die Wirkung bis zu zwei Jahre anhielt. Liraglutid, erhältlich als Victoza und Saxenda, zeigte bescheidenere Ergebnisse mit 4 bis 5 Prozent Gewichtsreduktion in 24 Studien mit 9.937 Teilnehmern und begrenzter Evidenz über zwei Jahre hinaus.

Trotz der beeindruckenden Gewichtsverlust-Zahlen fanden die Reviews wenig oder keinen Unterschied zwischen GLP-1-Medikamenten und Placebo bei schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen, Lebensqualität oder Sterblichkeitsraten. Übelkeit war die häufigste Nebenwirkung bei allen drei Medikamenten, wobei Semaglutid höhere Raten leichter bis mittelschwerer Magen-Darm-Beschwerden verursachte. Die Gutachter äußerten auch Bedenken hinsichtlich der Therapieabbruchrate aufgrund unerwünschter Wirkungen und stellten fest, dass die Gewichtszunahme nach Absetzen der Medikamente eine erhebliche Herausforderung für die langfristige Nachhaltigkeit der Ergebnisse darstellt.

Die Reviews deckten ein beunruhigendes Muster der Beteiligung der Pharmaindustrie an den klinischen Studien auf. Die Autoren stellten eine erhebliche Mitwirkung der Arzneimittelhersteller bei Studiendesign, Durchführung, Analyse und Berichterstattung fest, was Interessenkonflikte aufwirft und den dringenden Bedarf an unabhängiger Forschung unterstreicht. Die Mehrheit der Studien waren von den Herstellern der untersuchten Medikamente finanziert worden, eine Dynamik, die nach Ansicht der Gutachter die Darstellung und Interpretation der Ergebnisse beeinflussen kann.

Zugang und Gerechtigkeit erwiesen sich als zentrale Probleme in den Ergebnissen. Semaglutid und Tirzepatid bleiben in weiten Teilen der Welt teuer und nur eingeschränkt verfügbar, während Liraglutid nach dem Patentablauf erschwinglicher geworden ist. Das Semaglutid-Patent läuft 2026 aus, was den Zugang erweitern dürfte. Die Reviews stellten eine erhebliche geografische Unterrepräsentation in den klinischen Studien fest, wobei Afrika, Zentralamerika und Südostasien in den Studienpopulationen weitgehend fehlten. Die Autoren warnten, dass eine Ausweitung der GLP-1-Medikamente ohne sorgfältige Planung bestehende gesundheitliche Ungleichheiten eher verschärfen als verringern dürfte.

Quellen: ScienceDaily, World Health Organization, Mass General Brigham, Cochrane Library

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