Taiwanische Staatsanwälte teilten am Montag, dem 24. August, mit, sie hätten neun Personen angeklagt, darunter Beschäftigte von Nvidia und Super Micro. Ihnen legen die Ermittler eine mutmaßlich illegale Ausfuhr moderner Server für künstliche Intelligenz nach China zur Last. Laut Reuters und der Staatsanwaltschaft des Bezirks Keelung geht es um hochwertige Systeme von Super Micro mit Nvidia-Prozessoren, die amerikanischen Exportkontrollen unterliegen.
Acht Beschuldigte, darunter ein Mitarbeiter der taiwanischen Nvidia-Niederlassung und zwei Beschäftigte der örtlichen Super-Micro-Einheit, müssen sich wegen Untreue und Dokumentenfälschung verantworten, erklärten die Ankläger. Eine neunte Person ist in einem verbundenen Verfahren wegen der mutmaßlichen Abzweigung von Geld eines beteiligten Händlers angeklagt. Die Behörden nannten keine vollständigen Namen; über die Vorwürfe entscheidet das Gericht.
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft umfasste der Plan Bestellungen über 130 B300-Server. Unterlagen stellten deren Installation in einem gemieteten Rechenzentrum in Taiwan in Aussicht. Die Ermittler werfen den Beteiligten vor, mit falschen Endnutzerpapieren das tatsächliche Ziel verschleiert zu haben. Insgesamt 74 Server gelangten demnach direkt oder über Indonesien, Japan und Hongkong zu Kunden in China.
Weitere 56 Server sollten an ein Unternehmen in Japan gehen, doch taiwanische Zollbeamte entdeckten Unstimmigkeiten und stoppten die Ausfuhr, erklärten die Ankläger. CNA berichtete, dass 50 der 74 gelieferten Systeme Indonesien und acht Japan passierten; der Rest ging direkt nach China. Laut Anklage wussten die Beschuldigten von den strengen internen Exportkontrollen bei Nvidia und Super Micro.
Washington beschränkt seit 2022 den Verkauf führender KI-Halbleiter nach China, sofern keine Genehmigung vorliegt. Taiwan gilt als weltweit wichtigstes Produktionszentrum für hochentwickelte Chips und verschärfte ebenfalls Kontrollen gegen den Transfer sensibler Technik und Fachkenntnisse. Nvidia und Super Micro reagierten zunächst nicht auf Reuters-Anfragen. Die angekündigten Anklagen richten sich nicht gegen die Unternehmen selbst.
Mit den Anklagen geht eine monatelange Untersuchung mutmaßlicher Umleitungen in ein förmliches Strafverfahren über. Der Fall zeigt zugleich, wie schwierig Kontrollen sind, sobald Prozessoren in vollständigen Serversystemen stecken. Das Gericht klärt nun die individuelle Verantwortung; Zollstellen und Technologielieferanten dürften Endnutzerunterlagen, Transitwege und die Aufsicht über Händler künftig genauer prüfen.
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