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Toilettenkrise plagt den 13 Milliarden Dollar teuren Flugzeugträger USS Gerald R. Ford auf dem Weg zur Iran-Konfrontation

Veröffentlicht am 23. Februar 2026 725 Aufrufe

Die USS Gerald R. Ford, der neueste und teuerste Flugzeugträger der US-Marine mit Baukosten von rund 13 Milliarden Dollar, steuert auf eine mögliche Konfrontation mit dem Iran zu und kämpft gleichzeitig gegen einen chronischen Ausfall des Abwassersystems, der das Schiff seit Jahren belastet. Der Träger verließ Norfolk, Virginia, am 24. Juni 2025, befindet sich seit etwa 250 Tagen im Einsatz und durchquert derzeit das Mittelmeer nach der Passage der Straße von Gibraltar am 20. Februar. Das Schiff soll sich der Trägerkampfgruppe der USS Abraham Lincoln in der Nähe des Iran anschließen, womit zwei Trägerkampfgruppen in Reichweite des Landes stationiert wären, während die Spannungen zwischen den USA und dem Iran weiter zunehmen.

NPR veröffentlichte am 15. und 17. Januar 2026 Berichte auf Grundlage interner E-Mails vom Schiff, die das erschreckende Ausmaß der Sanitärprobleme offenlegten. Die Ford beherbergt rund 4.600 Seeleute und verfügt über fast 650 Toiletten in 10 unabhängigen Zonen. Das Schiff nutzt ein Vakuum-Sammel-, Speicher- und Transfersystem, bekannt als VCHT, das aus der Kreuzfahrtindustrie übernommen ist. Die Rohrleitungen erweisen sich jedoch als zu eng für den Bedarf einer Besatzung dieser Größe. Ein einziger Ventilausfall legt sämtliche Toiletten einer gesamten Zone lahm und zwingt Hunderte von Seeleuten, anderswo auf dem Schiff nach funktionierenden Einrichtungen zu suchen. Das Wall Street Journal bestätigte die NPR-Berichte durch zusätzliche Interviews mit Seeleuten an Bord.

Eine interne E-Mail vom 18. März 2025 dokumentiert 205 Toilettenausfälle in weniger als vier Tagen. Rumpftechniker an Bord der Ford arbeiten 19-Stunden-Schichten, um Lecks zu reparieren und Verstopfungen zu beseitigen. Die Wartezeiten für funktionierende Toiletten erreichen laut Besatzungsberichten bis zu 45 Minuten. Unter den aus verstopften Rohren geborgenen Gegenständen befinden sich T-Shirts, Moppköpfe, ein über einen Meter langes Seil und Papierhandtücher. Das Schiff benötigt seit 2023 insgesamt 42 Einsätze externer Wartungsteams, davon allein 32 im Jahr 2025, was durchschnittlich etwa einem Wartungseinsatz pro Tag für das Abwassersystem entspricht.

Die finanziellen Kosten der Krisenbewältigung sind erheblich. Eine Säurespülung zur Beseitigung von Kalkablagerungen in den Rohren schlägt mit etwa 400.000 Dollar pro Behandlung zu Buche und gelangt seit 2023 mindestens zehn Mal zum Einsatz. Dieses Verfahren lässt sich ausschließlich in US-Werften durchführen, also nicht während eines Auslandseinsatzes. Ein Bericht des Government Accountability Office aus dem Jahr 2020 stellte bereits fest, dass das VCHT-System unterdimensioniert und fehlerhaft konstruiert war, noch bevor der Träger fertiggestellt war.

Der aktuelle Einsatz der Ford ist bereits außergewöhnlich lang. Ursprünglich stationiert in der Karibik für die Operation Southern Spear, eine Mission zur Unterbindung venezolanischer Öllieferungen, erhielt der Träger um den 12. bis 13. Februar den Befehl zur Umleitung in den Nahen Osten angesichts wachsender Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Bei Fortsetzung des aktuellen Kurses droht der Einsatz den Post-Vietnam-Rekord von 294 aufeinanderfolgenden Tagen auf See zu brechen. Seeleute an Bord versäumen Beerdigungen, Hochzeiten und Geburten ihrer Kinder während des verlängerten Einsatzes, und Besatzungsmitglieder berichten von weitverbreiteter Erschöpfung und niedriger Moral.

Marine-Sprecher Kapitänleutnant David Carter erklärt, die Sanitärprobleme hätten sich gebessert und es gebe keine operativen Auswirkungen auf die Mission des Schiffes. Die Berichte der Seeleute zeichnen jedoch ein anderes Bild. Eine weibliche Besatzungsangehörige schildert gegenüber dem Wall Street Journal, dass viele an Bord tiefe Wut und Frustration über die Lebensbedingungen empfinden. Mehrere Seeleute geben an, nach Ablauf ihrer Dienstverträge das Militär verlassen zu wollen, und nennen den verlängerten Einsatz sowie die verschlechterte Lebensqualität als Hauptgründe. Der Gegensatz zwischen dem Preisschild von 13 Milliarden Dollar und der Unfähigkeit, zuverlässig funktionierende Toiletten bereitzustellen, zieht die kritische Aufmerksamkeit des Kongresses, militärischer Analysten und der Öffentlichkeit auf sich.

Quellen: NPR, Wall Street Journal, Navy Times, Stars and Stripes, USNI News

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