Die Trump-Regierung bereitet ein Importverbot für neue chinesische Modelle optischer Transceiver vor, die in Rechenzentren der Vereinigten Staaten zum Einsatz kommen. Das berichtete Reuters am Dienstag, dem 4. August, unter Berufung auf vier mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Federal Communications Commission erarbeitet die Maßnahme, während Washington die Infrastruktur für den schnellen Ausbau künstlicher Intelligenz absichern will. Behördenvertreter streben eine Veröffentlichung noch in diesem Jahr an, doch die Quellen betonten, dass die Regulierer den Entwurf ändern oder verwerfen können.
Optische Transceiver sind kompakte Geräte, die elektrische Signale in Laserimpulse und anschließend wieder zurück umwandeln. Dadurch übertragen Server und Netzwerk-Switches Informationen mit hoher Geschwindigkeit über Glasfaserkabel. Für die dichten Verbindungen zwischen Prozessoren in modernen KI-Anlagen sind sie unverzichtbar. Nach Angaben der Foundation for American Innovation benötigt nahezu jeder Switch-Port einen solchen Baustein; allein ein Nvidia-GB200-Cluster erfordert fast 18.500 Geräte. Diese Zahl verdeutlicht die Größenordnung der Lieferkettenabhängigkeit.
Reuters zufolge sieht der diskutierte Ansatz zunächst ein Verbot sämtlicher neuer Transceiver-Modelle und danach Ausnahmen für viele nichtchinesische Anbieter vor. Die Regierung verweist auf das Risiko, dass anfällige oder manipulierte Komponenten Datendiebstahl, Schadsoftware oder Betriebsunterbrechungen in Anlagen ermöglichen, die KI-Systeme trainieren und betreiben. Ein FCC-Dokument vom Juli nennt optische Transceiver gesondert unter programmierbaren Bauteilen, die nach Einschätzung von Kommentatoren kritische Infrastruktur für Fernzugriff, Datensammlung und Ausbeutung öffnen können.
Die größte direkte Wirkung träfe voraussichtlich Zhongji Innolight. Das Pentagon setzte den führenden chinesischen Hersteller im Juni auf eine Liste von Unternehmen, denen es Verbindungen zum chinesischen Militär zuschreibt. Counterpoint Research schätzt Innolights Anteil am weltweiten Markt für Rechenzentrums-Transceiver auf 27 Prozent. Reuters berichtete, dass das Unternehmen eine Bitte um Stellungnahme unbeantwortet ließ; auch das Weiße Haus und die FCC reagierten nicht.
Amerikanischen Cloud-Betreibern drohen höhere Kosten oder Verzögerungen, falls sie Bauteile anderer Hersteller qualifizieren und einkaufen müssen. Die US-Unternehmen Coherent und Lumentum bieten konkurrierende Technik an und könnten profitieren. Eine Analyse der Foundation for American Innovation besagt jedoch, dass ihnen derzeit die nötige Größenordnung fehlt, um chinesische Anbieter sofort zu ersetzen. Damit ist das Vorhaben zugleich eine Cybersicherheitsmaßnahme und ein Belastungstest für die industrielle Kapazität im KI-Bauboom.
Chinas Botschaft in Washington forderte die Vereinigten Staaten laut Reuters auf, wirtschaftliche Bedenken zu berücksichtigen, chinesische Firmen nicht länger herabzusetzen und Sanktionsdrohungen zu beenden. Peking werde notwendige Gegenmaßnahmen ergreifen, falls ein Schritt chinesische Interessen materiell schädige. Als Nächstes müsste die FCC einen Vorschlag veröffentlichen, der Rechtsumfang, Ausnahmen und Zeitplan klärt. Bis dahin ist das Verbot nicht endgültig, und bestehende Einfuhren bleiben unberührt.
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