Eine bedeutende Studie, die auf der Jahrestagung 2026 der American Society of Clinical Oncology vorgestellt worden ist, hat ergeben, dass GLP-1-Rezeptoragonisten wie Ozempic und Wegovy mit einer 30- bis 47-prozentigen Verringerung des Brustkrebsrisikos bei Frauen mit Diabetes oder Adipositas verbunden sind. Die retrospektive Kohortenstudie, die elektronische Gesundheitsakten des Gesundheitssystems der University of Pennsylvania nutzte, stellt eine der bisher umfangreichsten Untersuchungen zu den potenziellen Antikrebseigenschaften dieser weit verbreiteten Medikamente dar.
Das Forschungsteam analysierte Daten von 217.624 Frauen, die zwischen Januar 2022 und Juni 2025 eine Brustbildgebung erhalten hatten, und verglich die Ergebnisse zwischen denjenigen, denen GLP-1-Rezeptoragonisten verschrieben worden waren, und denjenigen, die keine erhalten hatten. Die enorme Größe der Studienpopulation verleiht den Ergebnissen erhebliche statistische Aussagekraft und ermöglicht es den Forschern, bedeutsame Unterschiede selbst nach Berücksichtigung zahlreicher Störvariablen zu erkennen.
Das untere Ende des Schutzbereichs, eine 30-prozentige Risikoreduktion, ergab sich aus Analysen, die sorgfältig für den Body-Mass-Index und Gewichtsveränderungen adjustiert waren. Diese Adjustierung ist besonders bedeutsam, da sie zeigt, dass selbst nach Berücksichtigung des durch GLP-1-Medikamente bewirkten Gewichtsverlusts ein substanzielles Schutzsignal bestehen blieb, was auf direkte Antikrebseigenschaften hindeutet, die unabhängig von der Gewichtsreduktion wirken.
Am oberen Ende erschien die 47-prozentige Risikoreduktion in unadjustierten Analysen, die den gesamten kombinierten Effekt der Medikamente einschließlich ihrer Auswirkung auf das Körpergewicht erfassen. Da Adipositas selbst ein gut etablierter Risikofaktor für Brustkrebs ist, spiegelt der größere Schutzeffekt ohne Gewichtsadjustierung sowohl die direkten biologischen Vorteile als auch den indirekten Schutz durch reduziertes Körperfett wider.
Die Forscher haben ihre Ergebnisse sorgfältig als beobachtend und nicht als definitiven Beweis einer kausalen Beziehung charakterisiert. Das Studiendesign war retrospektiv, es hat also bestehende Gesundheitsakten rückblickend untersucht, anstatt Patientinnen prospektiv Behandlungs- und Kontrollgruppen zuzuweisen. Das Team betonte, dass das Signal zwar vielversprechend ist und dringende weitere Untersuchungen rechtfertigt, es jedoch nicht als klinische Empfehlung interpretiert werden sollte.
Die Studie ergänzt die wachsende Evidenz, dass GLP-1-Rezeptoragonisten Vorteile bieten, die weit über die Gewichtskontrolle und Blutzuckerregulierung hinausgehen. Frühere Forschungen haben diese Medikamente mit verringertem kardiovaskulärem Risiko, potenziellen neurologischen Vorteilen, verlangsamter Nierenerkrankungsprogression und reduzierter systemischer Entzündung in Verbindung gebracht.
Onkologen und Endokrinologen auf der Konferenz äußerten vorsichtigen Optimismus hinsichtlich der Ergebnisse und merkten an, dass die Auswirkungen für Krebspräventionsstrategien transformativ sein könnten, sofern sie in prospektiven Studien bestätigt werden. Mehrere Pharmaunternehmen und akademische Institutionen haben bereits Pläne angekündigt, gezielte klinische Studien zum krebspräventiven Potenzial von GLP-1-Medikamenten zu starten.
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