Die Huthi-Bewegung im Jemen griff am frühen Dienstag vier Städte im Süden Saudi-Arabiens mit Raketen und Drohnen an. Nach Angaben saudischer Behörden erlitten 73 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, Verletzungen, außerdem brachen Brände an Energieanlagen aus. Die Angriffe auf Abha, Khamis Mushait, Dschasan und Nadschran bedeuteten eine deutliche Ausweitung der erneuten grenzüberschreitenden Kämpfe.
Das saudische Energieministerium meldete Treffer an mehreren Ölanlagen und Versorgungseinrichtungen. Einige Betriebe stellten ihre Arbeit vorübergehend ein, während Feuerwehrleute die Brände bekämpften. Die Behörden nannten weder Dauer noch Umfang der Störungen. In Dschasan steht eine Raffinerie mit einer Kapazität von 400.000 Barrel Rohöl pro Tag, weshalb die Region für saudische Exporte wichtig ist.
Huthi-Militärsprecher Yahya Saree erklärte, die Gruppe habe Dutzende ballistische Raketen und Drohnen gegen Öl- und Wirtschaftsanlagen sowie den Luftwaffenstützpunkt König Khalid eingesetzt. Er bezeichnete den Einsatz als Vergeltung für jüngste saudische Angriffe im Jemen. Riad äußerte sich nicht zu dem Vorwurf der Huthis, ein Angriff auf ein Gefängnis in al-Dschauf habe sieben Menschen einschließlich eines Kindes getötet.
Koalitionssprecher Generalmajor Turki al-Malki nannte die Angriffe eine gefährliche Eskalation und kündigte Maßnahmen gegen die Ursprungsorte der Bedrohung an. Außenminister Prinz Faisal bin Farhan sagte in Moskau, Riad bleibe für Diplomatie offen, werde aber sein Gebiet und seine Interessen verteidigen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte, die militärische Eskalation schade der Weltwirtschaft.
Die Gewalt gefährdet die relative Ruhe seit einer von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenruhe im Jahr 2022. Laut Associated Press starben bei den jüngsten Kämpfen vom 23. August bis zum 5. September mindestens 194 Menschen, mehr als 880 erlitten Verletzungen. Die Nachrichtenagentur berief sich auf die Weltgesundheitsorganisation. Nach Angaben der Vereinten Nationen vertrieben die Kämpfe binnen 27 Stunden mehr als 21.000 Menschen im Jemen, vor allem in Taiz und Hodeida.
Die Eskalation birgt zudem weltweite Risiken für Energieversorgung und Schifffahrt. Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und gewinnt an Bedeutung, da der Verkehr durch die Straße von Hormus unter Störungen leidet. Saudi-Arabien wirft den Huthis außerdem Angriffe auf Handelsschiffe vor. Schadensumfang und Dauer der Betriebspausen blieben unklar, während beide Seiten weitere militärische Schritte in Aussicht stellten.
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