La Liga hat vier aufeinanderfolgende Spiele des FC Barcelona auf 16:15 Uhr Ortszeit während des Ramadan angesetzt — eine Entscheidung, die den 18-jährigen Stürmer Lamine Yamal dazu zwingt, volle 90-Minuten-Partien zu bestreiten, während er das islamische Fasten einhält. Der Sonnenuntergang in Barcelona liegt in diesem Zeitraum zwischen 18:33 und 18:57 Uhr. Spiele, die um 16:15 Uhr beginnen und gegen 18:00 bis 18:10 Uhr mit Nachspielzeit enden, lassen Yamal keinerlei Möglichkeit, sein Fasten während des Spiels zu brechen. Die Spielplanung lenkt die Aufmerksamkeit auf das Fehlen einer offiziellen Ramadan-Regelung in La Liga — ein deutlicher Gegensatz zur englischen Premier League.
Die vier betroffenen Begegnungen sind: Levante gegen Barcelona am 22. Februar, das Barcelona 3:0 gewann; Barcelona gegen Villarreal im Camp Nou am 28. Februar; Athletic Club gegen Barcelona in San Mames am 8. März; sowie Barcelona gegen Sevilla im Camp Nou am 15. März. Der Ramadan 2026 begann um den 17./18. Februar und dauert bis zum 19. März, sodass alle vier Partien mitten in den heiligen Monat fallen. Beim Spiel gegen Levante fingen die Fernsehkameras einen bezeichnenden Moment ein: Während sich die Mitspieler für eine Trinkpause versammelten, hielt sich Yamal abseits der Gruppe auf, dehnte sich allein auf dem Rasen und verzichtete auf jegliche Flüssigkeitszufuhr.
Barcelona-Trainer Hansi Flick bestätigte nach dem Sieg gegen Levante, dass der Verein einen klaren Plan für die Betreuung Yamals während des gesamten Ramadan entwickelt hat. Flick räumte ein, dass Yamal nach seinem Wissen der einzige Spieler im Kader ist, der derzeit fastet. Die Betreuungsstrategie umfasst eine sorgfältig geplante Mahlzeit vor Sonnenaufgang — das sogenannte Suhoor — gegen 4:00 Uhr morgens, gefolgt von intensiven Hydrations- und Ernährungsprotokollen nach Sonnenuntergang. Das medizinische Team überwacht den körperlichen Zustand des Teenagers während Training und Spielen engmaschig.
Der Kontrast zur Premier League fällt deutlich aus. Englands höchste Spielklasse erlaubt das Fastenbrechen während laufender Spiele seit April 2021, als diese Praxis erstmals bei einer Partie zwischen Leicester City und Crystal Palace eingeführt kam. Die Premier League gestattet muslimischen Spielern, bei natürlichen Spielunterbrechungen nach Sonnenuntergang Flüssigkeiten und Energiegels zu sich zu nehmen, und die Liga bestätigte die Rückkehr dieser Ramadan-Pausen für die Saison 2025-2026. La Liga verfügt dagegen über keinerlei vergleichbare Regelung und überlässt es den Vereinen und Spielern, die Situation eigenständig zu bewältigen.
Der medizinische Direktor der FIFPRO, Professor Dr. Vincent Gouttebarge, betont, dass Schlafstörungen die größte Herausforderung für fastende Sportler darstellen, da der Ramadan die Ess- und Schlafgewohnheiten erheblich verändert. Gouttebarge erklärte, Fasten bei gleichzeitiger Leistung auf Spitzenniveau sei aus physiologischer Sicht nicht optimal, ergänzte jedoch, dass die spirituelle Dimension des Ramadan den Athleten zusätzliche Motivation und mentale Widerstandsfähigkeit verleihen kann. Zu den medizinischen Risiken für einen Spieler wie Yamal, der sich stark auf explosive Sprints und schnelle Richtungswechsel stützt, gehören Dehydration, Ermüdung, Muskelkrämpfe und ein erhöhtes Risiko für Weichteilverletzungen.
Yamal, dessen vollständiger Name Lamine Yamal Nasraoui Ebana lautet, stammt aus einem multikulturellen Umfeld. Sein Vater Mounir Nasraoui ist gebürtig aus Larache in Marokko, seine Mutter Sheila Ebana kommt aus Bata in Äquatorialguinea. In dieser Saison spielen geschätzt 34 muslimische Profis in La Liga, darunter Arda Guler, Antonio Rudiger und Brahim Diaz bei Real Madrid — die Problematik der Spielansetzung betrifft also weit mehr als nur einen einzelnen Spieler beim FC Barcelona.
Die Debatte über Ramadan-Anpassungen im Profifußball gewinnt weiter an Bedeutung, je globaler und vielfältiger der Sport ausfällt. Mit drei weiteren Nachmittagsspielen für Barcelona während der Fastenzeit bleibt die Aufmerksamkeit darauf gerichtet, wie Yamal die körperliche Belastung bewältigt und ob La Liga letztlich formelle Richtlinien ähnlich denen in England einführen wird. Vorerst verlassen sich der junge Star und sein Verein auf sorgfältige Ernährungsplanung und pure Entschlossenheit, um einen anspruchsvollen Spielplan zu meistern, der keinerlei Zugeständnisse an religiöse Praxis macht.
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