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Stromproteste legen Schwächen von Libyens Energienetz offen

Veröffentlicht am 29. Juli 2026 169 Aufrufe

Proteste gegen lang anhaltende Stromausfälle im Westen Libyens eskalierten, als Demonstranten den strategischen Öl- und Gaskomplex Mellitah betraten. Unterbrochene Brennstofflieferungen an Kraftwerke lösten Warnungen vor einem größeren Blackout aus. Sicherheitskräfte brachten die Anlage später unter Kontrolle und Gas floss erneut, doch extreme Hitze belastet das veraltete Netz und das politisch geteilte Land weiter.

Associated Press berichtete über mehrtägige Kundgebungen in Tripolis, Zawiya, Misrata und weiteren westlichen Städten, wo Ausfälle stundenlang dauern. Einige Teilnehmer verlangten bessere Stromversorgung und den Rücktritt von Ministerpräsident Abdul Hamid Dbeibah. Al Jazeera meldete Temperaturen über 48 Grad Celsius sowie in manchen Gebieten täglich rund zehn Stunden ohne Elektrizität.

Libyens Nationale Ölgesellschaft erklärte, geschlossene Leitungen in Mellitah hätten einen schweren Mangel an Gas und Brennstoff für Kraftwerke ausgelöst. Mehrere Erzeugungseinheiten gingen vom Netz, die Förderung im Ölfeld El Feel stoppte vollständig und im Feld Wafa teilweise. Mellitah liegt etwa 90 Kilometer westlich von Tripolis und liefert über eine Unterwasserpipeline auch Gas nach Italien.

Dbeibahs Regierung der Nationalen Einheit teilte mit, das Verteidigungsministerium habe den Komplex gesichert, Beschäftigte geschützt und die Wiederaufnahme der Versorgung ermöglicht. Danach genehmigte die Ölgesellschaft erneut Produktion und normales Pumpen. Laut ANSA liefen auch El Feel, Wafa und die Offshoreplattform Sabratha wieder an. Damit sank die unmittelbare Gefahr eines landesweiten Netzzusammenbruchs.

Die tiefer liegende Krise besteht fort. Von Al Jazeera befragte Fachleute verwiesen auf unvollendete Projekte, alte Kraftwerke, schwache Übertragungsnetze und verschleppte Wartung. Ein früherer Elektrizitätsmanager erklärte, zwei Dampfkraftwerke mit jeweils geplanten 1.400 Megawatt seien noch immer nicht fertig, während die jährliche Nachfrage um bis zu 600 Megawatt steigen könne.

Die Unruhen erhöhen den Druck auf ein Land, das zwischen Dbeibahs international anerkannter Verwaltung in Tripolis und einer rivalisierenden Regierung im Osten geteilt ist. Seit dem Konflikt von 2014 leidet Libyen trotz der Waffenruhe von 2020 unter institutioneller Zersplitterung. Stabile Elektrizität erfordert geschützte Energieanlagen, fertige Infrastruktur und eine Antwort auf Bürgerforderungen, ohne neue Versorgungsunterbrechungen zuzulassen.

Quellen: Associated Press, Libya National Oil Corporation, Al Jazeera, ANSA

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