Das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) hat Teplizumab, das unter dem Markennamen Tzield von Sanofi vertrieben wird, für den Einsatz im National Health Service (NHS) empfohlen. Die am 23. Juni 2026 veröffentlichte Entscheidung macht England zum ersten europäischen Land, das eine krankheitsmodifizierende Therapie zur Verzögerung des Ausbruchs von Typ-1-Diabetes genehmigt hat. Diese Zulassung stellt einen historischen Wendepunkt in der Behandlung der Autoimmunerkrankung dar und ermöglicht erstmals eine proaktive Intervention vor dem Auftreten klinischer Symptome.
Teplizumab ist für Erwachsene und Kinder ab acht Jahren zugelassen, bei denen Typ-1-Diabetes im Stadium 2 diagnostiziert worden ist. In diesem Stadium hat der autoimmune Prozess, der die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört, bereits begonnen, ohne dass klinische Symptome wie übermäßiger Durst, häufiges Wasserlassen oder unerklärlicher Gewichtsverlust aufgetreten sind. Die Behandlung erfolgt intravenös als einmaliger Kurs über 14 aufeinanderfolgende Tage.
Die Genehmigung basiert auf den Ergebnissen der klinischen Studie TN-10, an der 76 Teilnehmer mit Typ-1-Diabetes im Stadium 2 und einer familiären Vorbelastung teilnahmen. Die Ergebnisse zeigten, dass Teplizumab den Ausbruch klinischer Symptome um etwa 32 Monate, also nahezu drei Jahre, im Vergleich zur Placebogruppe hinauszögern kann. Diese Verzögerung verschafft Patienten und ihren Familien wertvolle Jahre ohne tägliche Insulininjektionen und ständige Blutzuckerüberwachung.
Nach Schätzungen von NICE werden im ersten Jahr etwa 1.100 Personen für die Behandlung in Frage kommen, wobei sich diese Zahl ab dem dritten Jahr auf rund 820 Patienten jährlich stabilisieren dürfte. Das Medikament soll NHS-England-Patienten innerhalb von 90 Tagen nach Veröffentlichung der endgültigen Leitlinien zur Verfügung stehen. Patienten in NHS Wales erhalten den Zugang innerhalb von 60 Tagen ab dem 23. Juni.
Medizinische Fachkräfte und Patientenverbände haben die Entscheidung als einen transformativen Moment in der Diabetesversorgung begrüßt. Typ-1-Diabetes betrifft rund 400.000 Menschen im Vereinigten Königreich und erfordert eine lebenslange Behandlung mit Insulin. Durch den Eingriff im präklinischen Stadium bietet Teplizumab die Möglichkeit, die verbleibende Betazellfunktion länger zu erhalten, was nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zu besseren langfristigen Gesundheitsergebnissen führen kann.
Experten betonen zudem die Notwendigkeit, robuste Screening-Programme zu entwickeln, um berechtigte Personen im Stadium 2 zu identifizieren, insbesondere unter Verwandten ersten Grades von Typ-1-Diabetes-Patienten. Der Ausbau der Screening-Kapazitäten gilt als entscheidend, um das volle Potenzial dieser Therapie auszuschöpfen und einen gerechten Zugang im gesamten Land sicherzustellen. Die Genehmigung durch NICE hat darüber hinaus das Potenzial, die Bewertung weiterer krankheitsmodifizierender Therapien in ganz Europa zu beschleunigen.
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