Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der neue britische Premierminister Andy Burnham vereinbarten am Montag, dem 27. Juli, auf dem Marinestützpunkt Portsmouth eine engere Verteidigungszusammenarbeit. Nach Angaben der Associated Press und der britischen Regierung sprachen sie über gemeinsame Drohnenproduktion, den dringenden ukrainischen Bedarf an Abfangsystemen gegen ballistische Raketen und die Weitergabe britischer Technologie für elektronische Kampfführung.
Das Treffen an Bord des Flugzeugträgers HMS Queen Elizabeth machte Selenskyj zum ersten ausländischen Staatschef, den Burnham seit seinem Amtsantritt eine Woche zuvor persönlich empfing. Der Premierminister erklärte, diese Entscheidung zeige, dass London seine Zusagen an Kyjiw im fünften Jahr der umfassenden russischen Invasion einhalte. Selenskyj bezeichnete die bilateralen Beziehungen als stärker als jemals zuvor.
Im Mittelpunkt einer Ankündigung stand Stone Cloak, ein britischer Störsender in Tabletgröße, der russische Luftabwehrsysteme beim Erkennen und Anvisieren von Drohnen behindert. Die britische Regierung will der Ukraine das geistige Eigentum an dem System überlassen, damit sie es in großer Stückzahl herstellen kann. London lieferte bereits Tausende Geräte; Erkenntnisse aus ihrem Einsatz sollen zugleich in künftige britische Langstreckenwaffen einfließen.
Beide Seiten erörterten außerdem gemeinsame Rüstungsproduktion. Großbritannien und die Ukraine besitzen bereits eine Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung von Drohnen, und Selenskyj schlug eine große Produktionsanlage in Großbritannien vor. Burnham sagte, die Gespräche hätten ausführlich den Bedarf an Abfangsystemen behandelt, die im Winter ukrainische Energieanlagen und weitere kritische Infrastruktur schützen sollen. London werde die Anliegen mit seinen Partnern weiterverfolgen.
Auf dem Marinestützpunkt trafen die Politiker mehr als 200 ukrainische Militärangehörige, die in Großbritannien an der Übung Sea Breeze teilgenommen hatten. Laut Royal Navy umfasste die gesamte Übung 750 Angehörige aus 18 Ländern und 10 Schiffe. Trainiert wurden Minenräumung, Brandbekämpfung, Artillerie und die Führung eines Marineverbands. Fünf von Portsmouth aus operierende ukrainische Minensuchboote bereiteten sich dabei auf spätere Einsätze im Schwarzen Meer vor.
Großbritannien beziffert seine Unterstützung für die Ukraine seit Beginn der umfassenden Invasion auf 25 Milliarden Pfund, darunter 16 Milliarden Pfund Militärhilfe, und sagt jährlich 3 Milliarden Pfund zu, solange dies nötig ist. Die Gespräche fanden einen Tag vor Selenskyjs erwartetem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Washington statt. Damit rückten Raketenabwehr, industrielle Kooperation und dauerhafte Unterstützung der Verbündeten in den Mittelpunkt seiner Diplomatie.
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