Die Vereinigten Staaten und Iran tauschten am Donnerstag erneut Raketenangriffe aus und weiteten damit einen fünf Monate dauernden Konflikt aus, dessen Folgen inzwischen mehrere Staaten im Nahen Osten erreichen. Nach Angaben der Associated Press fing Jordanien fünf iranische Raketen ab. Kuwaits Militär erklärte zugleich, ein iranischer Angriff habe das Gebäude eines chinesischen Unternehmens schwer beschädigt und einen Arbeiter getötet. Das US-Zentralkommando meldete eine umfangreiche Angriffswelle gegen iranische Ziele als Reaktion auf einen vorherigen Angriff auf einen US-Stützpunkt in Jordanien.
Das Zentralkommando griff nach eigenen Angaben Dutzende Einrichtungen der iranischen Revolutionsgarden an, darunter Kommandozentren, Raketen- und Drohnenanlagen, Küstenüberwachung sowie Luftabwehr. Irans staatliche Nachrichtenagentur IRNA meldete drei Tote und zwei Verletzte nach einem Angriff auf die Insel Qeshm in der Straße von Hormus. Jordaniens staatliche Agentur Petra berichtete, bei der Abwehr der Raketen am zweiten Tag in Folge habe es keine Verletzten gegeben.
Der Eskalation gingen am Mittwoch US-amerikanische und saudische Angriffe auf von Iran unterstützte Milizen im Irak voraus. Laut AP starben dabei mindestens 20 Kämpfer und sechs iranische Berater. Irak verurteilte die Aktion und betonte, Bagdad habe zu diesem Zeitpunkt saudische Vorwürfe untersucht, bewaffnete Gruppen auf irakischem Gebiet hätten Ölanlagen angegriffen. Die Milizen bestritten eine Beteiligung. Die von Iran unterstützten Huthi im Jemen bekannten sich unabhängig davon zu Angriffen auf saudische Energieinfrastruktur.
Auch Ägypten erlebte ein mögliches Übergreifen des Konflikts. Das Büro des ägyptischen Ministerpräsidenten teilte mit, erste Ermittlungen führten Brände auf zwei Erdgas-Schiffen im Mittelmeerhafen Damietta auf eine Drohne zurück. Betroffen waren eine schwimmende US-Lagereinrichtung und ein Tanker in griechischem Besitz. Verletzte gab es nicht, keine Gruppe übernahm die Verantwortung und die Huthi wiesen eine Beteiligung zurück. AP verwies darauf, dass Ägypten als US-Verbündeter und regionaler Vermittler bislang direkte militärische Beteiligung vermieden hatte.
Die Kämpfe belasten außerdem globale Energierouten. Lloyd's List Intelligence zählte in Hormus 82 Schiffe in der Woche vom 13. bis 19. Juli, aber nur 39 vom 20. bis 26. Juli. In Friedenszeiten passierten etwa 20 Prozent des gehandelten Öls und Erdgases diese Meerenge. Ambrey meldete seit dem 21. Juli einen Rückgang des Verkehrs durch Bab el-Mandeb um 30 Prozent gegenüber Juni, nachdem die Huthi eine Blockade saudischer Schifffahrt angekündigt hatten.
Pakistan, das als Vermittler auftritt, erklärte, Gespräche zur Normalisierung der Lage liefen weiter, besonders zur Situation um Hormus; zugleich bezeichnete es die Sicherheitslage als prekär. Saudische Vertreter streben laut AP einerseits eine Deeskalation an und signalisieren andererseits, dass sie Angriffe auf ihre Energieanlagen nicht dulden. Die erneuten Salven, gestörte Schifffahrt und der nicht beanspruchte Angriff in Ägypten stellen die Diplomatie vor ein breiteres und komplizierteres regionales Schlachtfeld.
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